CIO Outlook 2022 Update | Wealth Management | Deutsche Bank

Unter Druck: Q4-Update unseres Ausblicks 2022

Unsere neueste vierteljährliche Ausgabe von CIO Insights aktualisiert unseren Ausblick für Wirtschaft und Kapitalmärkte für das letzte Quartal 2022 und darüber hinaus.

Es ist zunehmend en vogue, Wirtschafts- und Investmentthemen in „Narrative“ zu verpacken – Geschichten also, die dazu dienen, die Marktdiskussion etwa auf die Geschwindigkeit und das Ausmaß der geldpolitischen Straffung der US-Notenbank und die voraussichtlichen Folgen auf das Wirtschaftswachstum zu lenken. Solche Narrative helfen Märkten, einen (wenn auch unvollkommenen) Konsens zu künftigen Erwartungen zu finden, indem sie komplexe Trends in eine scheinbar kohärente Form gießen. 

 

Die wachsende Popularität von Narrativen ist leicht nachzuvollziehen. Im Zuge der globalen Finanzkrise, der darauffolgenden Reaktion der Zentralbanken, der Corona-Pandemie und aktueller geopolitischer Ereignisse mussten die Märkte eine ganze Reihe extremer Entwicklungen rationalisieren, verstehen und erklären. Narrative haben jedoch ihre Grenzen – vor allem dann, wenn der Marktkonsens zusammenbricht.

 

So kursierten in den letzten Monaten verschiedene Narrative über das wahrscheinliche Ausmaß und Tempo der Zinswende in den USA und ihren Folgen für die US-Wirtschaft. Zwischen April und Juni brachen die Märkte aufgrund von Zinsängsten ein. Im Juni und Juli bekamen sie durch die Hoffnungen auf kleinere Zinsschritte und einen geringeren Schaden für die Wirtschaft wieder Aufschwung, bevor es aufgrund aggressiver Ankündigungen der Fed wieder nach unten ging. Die Märkte bleiben mehr als sonst üblich zwischen Bullen und Skeptikern gespalten.

 

Entscheidend dafür ist, dass die Märkte noch immer nach einer akzeptablen Diagnose zum Gesundheitszustand der Weltwirtschaft suchen. Hier sind komplexe Faktoren am Werk, die sich nicht so leicht auf eine simple Erzählung herunterbrechen lassen. Zahlreiche Fragen zum US-Konsummarkt, zur europäischen Energieabhängigkeit, zum Gelingen der Wiedereröffnung der chinesischen Wirtschaft, zur möglichen Inflationsentwicklung und zu vielen anderen Themen sind weiterhin offen. Die Folge: die Weltwirtschaft und die Märkte stehen weiter unter Druck.

 

Wirtschaftliche Unsicherheit führt kurzfristig zu volatilen Märkten, und wir sind der Ansicht, dass sowohl die USA als auch Europa vor einer schrumpfenden Wirtschaft stehen. Doch sobald die Märkte anfangen zu glauben, dass diese Rezession mild und kurz ausfallen und – wie wir glauben – bereits Mitte 2023 hinter uns liegen wird, werden die potenziellen Rücksetzer der kommenden Monate schließlich in Gewinnen münden. Wie immer werden die Märkte die wirtschaftliche Realität wahrscheinlich vorwegnehmen, und angesichts der Erholung am Horizont gehen wir für die kommenden zwölf Monate davon aus, dass die Aktienindizes der meisten Industrieländer im niedrigen einstelligen Bereich zulegen werden. Schwellenländer-Aktien werden ebenfalls Rendite bringen, wenn auch geringere.

 

Die Stabilisierung der Inflationsnarrative dürfte ebenfalls einige Zeit dauern. Ob die Volatilität auf dem Rentenmarkt nachlassen wird, hängt wahrscheinlich davon ab, ob die Märkte glauben, dass die Inflation in den USA und anderen Ländern tatsächlich zurückgeht (und zwar weiter als die derzeit begrenzt verfügbaren Daten vermuten lassen), sodass sich die Erwartungen an die künftige Geldpolitik der Fed festigen. Jenseits der künftigen Headline-Teuerungsraten muss der Markt zu einem Konsens darüber kommen, welche potentiellen Zweit- und Drittrundeneffekte zu erwarten sind.

 

Und selbst wenn die Teuerung in den USA weiter sinken wird, müssen die Märkte akzeptieren, dass die Fed darin wahrscheinlich keinen Anlass sehen wird, ihre Geldpolitik schnell wieder signifikant zu lockern: Fed-Präsident Powell und andere FOMC-Mitglieder haben bereits signalisiert, dass uns die restriktive Geldpolitik „einige Zeit“ begleiten wird. Diese Sicht teilen wir. Auch die EZB könnte ihre Geldpolitik angesichts der anhaltend hohen Inflation in der Eurozone

weiter straffen.

 

Ich würde sagen, dass wir zwei wesentliche Erkenntnisse aus diesen sich verändernden Narrativen ziehen können.

 

  1. Zum einen gibt es in der realen Welt nur wenige Entwicklungen, die sich in eine simple Erzählung mit linearer Handlung und eindeutigem Ausgang einbetten lassen, wie manche Marktargumentation uns glauben lassen möchte. Offensichtlich durchqueren wir gerade eine anspruchsvolle und kontinuierlich wandelnde Investmentlandschaft, doch sobald klarer wird, welche Richtung wir einschlagen, werden auch die Märkte positiv darauf reagieren. Vor diesem Hintergrund möchten wir erneut darauf hinweisen, wie wichtig eine aktive Vermögensverwaltung und eine themenbezogene Geldanlage auf dieser Reise ist.
  2. Die zweite Erkenntnis besteht darin, dass es zu riskant ist, sich übermäßig auf kurzfristig Marktnarrative zu verlassen – ebenso wie einfach am Rand zu stehen und auf neue Erzählungen zu warten. Denn in beiden Fällen besteht die Gefahr, die wichtigeren langfristigen Investmenttrends zu verpassen – vor allem mit Blick auf ESG-Themen. Denn diese werden die Investmentansätze und Erwartungen der Zukunft letztlich entscheidend prägen.

 

 

 

Christian Nolting 
Globaler CIO

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