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Mit erst Anfang dreißig trägt die Kunstsammlerin Anne Huntington bereits zur Weiterentwicklung der zeitgenössischen Kunst bei. Sie steht auf der Liste der „40 unter 40“ des Kunstmagazins Apollo, hat bereits über 30 Ausstellungen kuratiert und unterstützt diverse New Yorker Institutionen, vom Guggenheim bis zum Whitney. Daneben baut sie sich eine eigene Sammlung auf, mit Stücken etablierter und aufstrebender Künstler.

 

 

Anne Huntington ist eine junge Kunst­sammlerin. Doch trotz ihrer 33 Jahre ist sie im Geschäft schon ein alter Hase. Seit über zwölf Jahren ist sie in der Kunstwelt tätig, erst war sie Praktikantin am Whitney Museum und in der Galerie David Zwirner in New York, dann arbeitete sie beim Auktionshaus Phillips. Seitdem ist ihre Privatsammlung auf mehrere hundert Kunstwerke angewachsen, darunter einige der besten jungen Namen ihrer Generation. Sie hat diverse Ausstellungen und Perfor­mances kuratiert und finanziert und Filme produziert. Dabei hat sie eine ganz eigene Philosophie entwickelt.

 

Wir treffen uns an einem sonnigen Frühlingstag in der Sant Ambroeus Coffee Bar bei Sotheby’s an der New Yorker Upper East Side, um über Kunst und die Kunstwelt zu sprechen und über die steile Lernkurve, die sie absolviert hat. Gelassen, präzise, der Look professionell, aber leger – sie ist ein echter Businesstyp. Doch wenn sie lächelt, geht die Sonne auf.

 

Huntington wuchs in New Jersey auf, wo ihre Eltern Ray und Eileen vor mehr als 40 Jahren das Huntington Learning Center mitgegründeten, ein Unternehmen für Schülernachhilfe, das durch eine TV-Werbe kampagne landesweite Bekanntheit erlangte. In den letzten Jahren hat sie für das Fami-lienunternehmen gearbeitet und ist heute Vice President of Business Development.
In dieser Funktion wirkt sie an der Entwicklung von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) mit. Einer ihrer Schwer punkte dabei sind Schüler mit besonderen Bedürfnissen.

 

Sie reist ständig durch die USA, zu Konferenzen und um die Lernzentren zu besuchen. Huntington beschäftigt sich viel mit Bildungstheorie und-praxis. Was einen guten Lehrer ausmacht? „Empathie“, sagt sie. Sie findet ihren Job zwar spannend, doch ihre eigentliche Leidenschaft gehört der Kunst.

"Ich bin immer skeptisch, wenn Leute über Renditen reden... Aber dann merke ich, dass das, was ich kaufe, einen Marktwert hat“

Eric Shiner, seines Zeichens Senior Vice President der Abteilung für zeitgenössische Kunst bei Sothebyʼs und ehemaliger Direktor des Andy Warhol Museum, betritt das Café, grüßt Huntington und umarmt sie herzlich. „Anne ist immer fröhlich“, sagt er. „Sie hat einen messerscharfen Verstand und ist stets voller Energie. Und sie setzt sich für Künstler ein, wo immer sie kann.“

 

„Vor elf Jahren engagierte ich mich für viele Institutionen wie das Metropolitan Museum of Art und das New Museum“, sagt Huntington. „Um Berufliches und Privates besser miteinander zu vereinen, konzentrierte ich mich irgendwann auf Organisationen, die ganz und gar meinen Interessen entsprechen.“

 

Mit zwei Institutionen ist Huntington nach wie vor eng verbunden: dem Young Collectors Council im Solomon R. Guggen¬heim Museum und dem Future Leadership Council am Whitney College. „Das Young Collectors Council im Guggenheim ist die einzige Gruppe junger Sammler, die Arbeiten für die ständige Sammlung erwerben“, sagt sie. „Das gibt es anderswo so nicht.“

 

Sie engagiert sich auch in Wohltätigkeits organisationen wie der Coalition for the Homeless und der Kunst und Mentoren gruppe Free Arts NYC. Im Rahmen der Livekunst Biennale Performa in New York hat sie eine Handvoll Künstler und Performance Art-Projekte finanziell unterstützt. Rose Lee Goldberg, die Gründerin und Leiterin von Performa, ist eines von Huntingtons Vorbildern, genau wie Jennifer Stockman, die Philanthropin und ehemalige Präsidentin des Guggenheim Kuratoriums, und Alexandra Munroe, leitende Kuratorin des Guggenheim Museums.

 

Huntington unterstützt aber nicht nur bildende Künstler, sondern auch Filmema cher. Sie war Associate Producer bei The Price of Everything, einem Dokumentarfilm über die Kunstwelt, der vom Oscar-nominierten Regisseur Nathaniel Kahn gedreht und von Jennifer Stockman koproduziert wurde. Anfang 2018 feierte der Film auf dem Sundance Film Festival Premiere und wurde anschließend von HBO erworben.

„Um Berufliches und Privates besser miteinander zu vereinen, konzentrierte ich mich auf Organisationen, die meinen Interessen entsprechen“

Ihre eigene Sammlung umfasst vor allem Werke von lebenden Künstlern. Einiges davon ist gegenständlich, und viele Stücke sind, wie sie sagt, „schön anzuschauen und sehr persönlich“. Die Wände ihres Hauses sind vom Boden bis zur Decke mit Kunst gepflastert, darunter Werke von Dustin Yellin, dem subversiven Kunstkollektiv Bruce High Quality Foundation, Jonas Wood, der vielfach preisgekrönten Natalie Frank und Shepard Fairey, den man für sein „Hope“-Plakat von Barack Obama kennt. Zu den älteren Künstlern zählen Popart-Legende Tom Wesselmann und Lisa Yuskavage. Und diese kurze Liste ist nur ein Bruchteil.

 

Huntington räumt ein, als Sammlerin lerne sie immer noch dazu. Inzwischen versuche sie, sich mehr auf bestimmte Künstler zu spezialisieren. Zum Beispiel die New Yorker Künstlerin Margaret Lee, die eine Galerie an der Lower East Side hat. Als Sammlerin ist Huntington eine Auszeichnung zuteil geworden, auf die sie besonders stolz ist: Das Kunstmagazin Apollo hat sie in seine Liste der „40 unter 40“ der weltweiten Kunstszene aufgenommen.

 

Als ich sie nach ihrer liebsten Anschaffung frage, nennt sie überraschenderweise einen älteren Künstler: David Hockney, dessen Retrospektive von November 2017 bis Februar 2018 im Metropolitan Museum of Art lief. „Das Werk, das ich von Hockney besitze, eine iPad-Zeichnung, die ich in der Pace Gallery entdeckte.“ Sie fand es spannend, dass „ein etablierter Künstler in einem neuen Medium arbeitete, das für die Evolution der Kunst von zentraler Bedeutung ist“. (Dass das Bild zufälligerweise das Datum ihres Geburtstags trägt, machte es für sie zusätzlich attraktiv.)

 

Huntington hat noch nie ein Stück aus ihrer Sammlung verkauft. „Ich bin immer skeptisch, wenn Leute über Renditen [für ihre Investitionen] reden“, sagt sie. Wenn sie sieht, dass ähnliche Werke wie die, die sie erworben hat, rasant im Wert steigen, findet sie das gar nicht schlimm. Das passiere ganz oft, sagt sie. „Ich sehe das gerne, denn daran merke ich, dass das, was ich kaufe, einen Marktwert hat.“ Dennoch will sie sich zumindest in nächster Zeit von keinem ihrer Stücke trennen: „Das will ich gar nicht.“

 

In den Jahren, seit Huntington aktiv sammelt, hat sich die Kunstwelt sehr verändert. „Sie ist zugänglicher geworden“, sagt sie. „Online-¬Plattformen haben die Kunstlandschaft umgekrempelt. Man kann beobachten, was auf der ganzen Welt passiert. Das stört die alten Strukturen, aber auf eine ganz positive Weise.“

 

Die Kunstjournalistin Alexandra Peers schreibt für die New York Times und das Wall Street Journal.

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