Markus Müller, Globaler Leiter Chief Investment Office, erklärt die Chancen und Ziele der "Blue Economy" – einem Wirtschaftskonzept, das sich an der Natur orientiert.

 

Mit Bildern des Climate Visuals Photography Award, der Fotografen auszeichnet, die dramatische Folgen des Klimawandels auf Mensch und Natur zeigen.

 

 

Die Oberfläche unseres Planeten ist zu 72 Prozent mit Wasser bedeckt. Meere, Flüsse und Seen stellen für knapp drei Milliarden Menschen eine essenzielle Nahrungsquelle dar. Ozeane haben einen Wert von 24 Billio­nen US-Dollar und ein jährliches BIP von 2,5 Bil­lionen US-Dollar – die Wirtschaftsleistung von Indien. Doch durch die Folgen des Klimawandels, Ausbeutung und Verschmutzung ist nicht nur der Wert, sondern auch die globale Wirtschaft hohen Risiken ausgesetzt. Man ist geneigt, dies der „Tragik der Allmende“ (leichtfertiger Umgang mit begrenzt verfügbaren Gütern) anzukreiden. Doch auch das „Laisser-faire“ trägt Schuld, was sich in der schrittweisen Degradierung der Ökosysteme, vor allem der Ozeane, bemerkbar macht. Heute gelten 30 Prozent der Fischbestände als überfischt, 60 Prozent als maximal befischt. Koral­lenriffe könnten bis 2050 weltweit in Gänze abgestorben sein. Wenn sich der Meeresspiegel (seit 1990 um fast 10 Zentimeter ge­stie­­gen) und die Wassertemperatur (Anstieg seit 1960 um 0,6 Grad Celsius) erhöhen, werden weitere Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten. 

 

Wir verdanken den Ozeanen nicht nur Fisch und Sandstrände, sondern auch Arbeitsplätze für Hunderte Millionen Menschen. Meere produzieren etwa 50 Prozent des Sauerstoffs und haben seit der Industrialisierung 30 Prozent der CO2-Emissionen aufgenommen. Meeresökosysteme nehmen CO2 sogar besser auf als Ökosysteme auf dem Land. Jedoch hat die Speichereigenschaft der Meere auch negative Folgen. In der Konsequenz ist der Säure­gehalt der Ozeane seit der Industrialisierung von pH 8,2 auf pH 8,1 gestiegen, was vor allem Korallen zusetzt. 

Das Konzept der “Blue Economy”

 

Gunter Pauli, ein niederländischer Ökonom und Unternehmer, erfand den Begriff Blue Economy, weil ihm der schleppende Fortschritt und Missbrauch der Green Economy für kommerzielle Zwecke missfiel. Die Blue Economy soll ein holistisches Konzept darstellen, das auf höchster bioloscher Wertschöpfung basiert und sich an der Natur orientiert. Das Konzept inkludiert zudem die Kreislaufwirtschaft, sprich einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen durch Minimierung von Abfall und die Verlängerung von Produktlebenszyklen.

 

Die Vereinten Nationen haben 2012 das Blue-Economy-Konzept im Zuge der Entwicklung ihrer 17 Sustainable Development Goals (SDG) erweitert. Vor allem Ziel 14 – „Leben unter Wasser“ –, das die Themen Verschmutzung der Meere, Fischerei und Küstenmanagement behandelt, steht im Zentrum des Konzepts. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, eine nachhaltige globale Meereswirtschaft anzustreben, die die sozioökonomische Entwicklung von der wirtschaftlichen entkoppelt. Das Konzept wurde zudem ins Leben gerufen, weil vor allem kleinere Inselstaaten zunehmend und mit als Erste durch Klimawandel und Überfischung belastet werden. Aus diesem Grund ist ein weiterer Kernpunkt des Konzepts, den betroffenen Inselstaaten finanzielle und ideelle Hilfe zu leisten. 

 

Die Zukunft ist blau

 

Die Ozeane müssen wieder in einen gesunden und damit produktiven Zustand zurückgeführt werden, da zwei Drittel des Gesamtwerts von funktionierenden Ökosystemen abhängen. Insbesondere stehen nachhaltige Fischerei, Bekämpfung von Verschmutzung, Errichtung und Verwaltung von Schutzzonen und erneuerbare Energien im Fokus. Rebound-Effekte müssen jedoch im Zuge dessen berücksichtigt werden, wie etwa der Anreiz, mehr Rohstoffe zu verbrauchen, weil mehr recycelt wird.

 

Die Erholung der Meere kann nur durch globale multilaterale Zusammenarbeit ins Rollen gebracht werden, durch ein internationales Kontroll- und Schutzsystem, Innovation, Forschung und Inves­ti­tio­­nen, vor allem aus dem privaten Sektor. Es gibt bereits positive Signale aus der Ökonomie, die zunehmend die Klimafinanzierung für sich entdeckt und verstärkt innovative Lösungen erarbeitet und Projekte finanziert hat. Es ist aber nicht nur eine Frage einzelner Maßnahmen. Unser Wirtschafts­system muss sich verändern. Nur dann können die Probleme nachhaltig gelöst werden. Die Blue Economy bietet dafür eine Orientierung für die internationale Gemeinschaft und die Privatwirtschaft.

 

 
 
 
Dieser Artikel erschien ursprünglich in unserem Kundenmagazin WERTE 21, " Die Welt im Wandel". 
 
Lesen Sie mehr zum Thema "Blue Economy" in einem CIO Special im Herbst 2020.
 
 
 

 

Climate Visuals Photography Award Fotos

Quellen

 
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