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Christian Nolting, Chief Investment Officer und Leiter Investment Solutions, Deutsche Bank Internationale Privatkundenbank, über Folgen der Pandemie aus der Sicht von Investoren. 

 

Krisensituationen bedeuten einen immensen Stress für bestehende Systeme. Oftmals müssen wir deswegen unsere Arbeitsweise ändern oder uns an eine neue Realität anpassen. Viele der Herausforderungen, die dadurch zum Vorschein kommen, sind allerdings schon lange vorher bekannt gewesen. Daher sollten auch die sozioökonomischen Folgen der Corona-Pandemie – wie auch die vieler anderer Krisen – vor diesem Hintergrund betrachtet werden.

 

Schon die alten Griechen erkannten, dass es besondere Zeiträume für Veränderungen gibt, und nannten diese Momente „Kairos“. Einzelne Länder haben sich dies auch in der aktuellen Situation bewusst gemacht. Eine sehr akkommodierende Finanzpolitik wurde zum Standard. Geldpolitische Anreize nahmen ebenfalls zu: Die EZB-Bilanzsumme ist beispielsweise von 4,7 Billionen Euro (Mitte April) auf mittlerweile 6,4 Billionen Euro gestiegen – das Doppelte des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

 

Aber während bei der eingreifenden Wirtschaftspolitik in der aktuellen Krise in breiten Teilen Konsens herrscht, ist kein expliziter globaler, auf Strukturfragen ausgerichteter Innovations-Akkord in Aussicht – anders als beispielsweise 1944 mit dem Bretton-Woods-Abkommen vereinbart.

 

Unternehmen werden in den kommenden Jahren lernen müssen, mit einem anhaltenden aktiven Staat und globaler politischer Unsicherheit zu leben. Die Geschichte zeigt, dass Unternehmen, die in Krisenzeiten Veränderungsprozesse durchlaufen, letztendlich besser abschneiden als diejenigen, die das Unvermeidbare hinauszögern – derartigen Veränderungen liegen allerdings sehr eingeschränkte Informationen über die Zukunft zugrunde. Um die Veränderungen jetzt umzusetzen, müssen Unternehmen auf ihr bestehendes Wissen und ihre Fähigkeiten bauen, oder sie laufen Gefahr, in der Zukunft einen hohen Preis für momentane Passivität zu zahlen.

 

Viele Grundtendenzen werden durch Veränderungen verstärkt und beschleunigt – nicht ungewöhnlich in Krisenzeiten. Einer dieser Trends ist das Homeoffice, das in der Vergangenheit viel diskutiert, aber in der Breite kaum umgesetzt wurde. Mittlerweile zeigen Studien, dass einer von sechs Angestellten dauerhaft von zu Hause arbeiten könnte. Andere Trends auf dem Arbeitsmarkt sind möglicherweise weniger vorhersehbar und positiv. Laut einer jüngsten US-Studie sind 32 bis 42 Prozent der Entlassungen in den USA dauerhaft und implizieren eine massive Neueinteilung von Beschäftigung, auch branchenintern. Erweiterte Unterstützungsprogramme der Regierung könnten das Unvermeidbare kaum hinauszögern.

 

Die Krise lehrt uns also, dass übermäßig starre Wirtschafts- und Unternehmensideologien ausgedient haben. Es bedarf vielmehr eines vielschichtigen und flexiblen Ansatzes: Unternehmen müssen mehrere Ziele ins Gleichgewicht bringen und gleichzeitig zu ihrem Kurswechsel eine finanziell nachhaltige Lösung finden. Innovative und kollaborative Lösungen – wenn auch nur über einen bestimmten Zeitraum – könnten hier die Richtung vorgeben.

 

Investoren sollten bei ihrer Suche nach künftigen Chancen ebenfalls einen offenen Ansatz verfolgen. Beispielsweise ist es sehr aufschlussreich, dass jüngste Marktbewegungen bestehende Trends beschleunigt haben. Auch die Technikbranche – ein großer Gewinner der Krise hinsichtlich Umsatz und Aktienpreisen – schneidet seit 2015 besser ab als der breite Aktienmarkt. Und der einschlägige Subindex MSCI AC World IT hat in den vergangenen fünf Jahren sogar fast doppelt so viele Zugewinne verzeichnet wie der breitere MSCI World Index und könnte daher beinahe als gesonderte Klasse zu Aktien im Allgemeinen betrachtet werden. Die Herausforderung, vor der die Investoren nun stehen, ist die Erweiterung ihrer Suche nach zusätzlichen Investitionsgewinnern von morgen.

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem Kundenmagazin WERTE # 22 - lesen Sie mehr aus dem Magazin auf www.werte.com.


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