Anlagen, die sich an Umwelt-, Sozial- und Governance-Prinzipien orientieren, sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden, allerdings werden sie immer noch auf sehr unterschiedliche Art bewertet.

 

Aktuelle Analysen deuten darauf hin, dass mehr als ein Viertel des weltweit verwalteten Vermögens, d.h. 23 Billionen US-Dollar, anhand von ESG-Prinzipien (Umwelt, Sozial, Governance) investiertist. Die Zahl wurde von der Global Sustainable Investment Alliance errechnet, einem Handelsorgan, das aus sieben der weltweit größten Mitgliedsorganisationen für nachhaltige Investitionen besteht, und entsprach zwischen 2014 und 2016 einem Anstieg von 25%.[1]

 

Seit in den letzten Jahren das öffentliche Interesse an Themen wie Klimawandel und Geschlechterungleichheit gestiegen ist, haben auch die ESG-Prinzipien als Investitionskategorie an Beliebtheit gewonnen. Investoren zeigen heute deutlich mehr Interesse daran, wie genau Unternehmen betrieben und geführt werden, und welche Auswirkungen ihre Investitionen möglicherweise auf Gesellschaft und Umwelt haben. Trotzdem gestaltet es sich immer noch schwierig, die Leistungen eines Unternehmens in diesen Bereichen allein durch das Lesen von Finanzberichten zu messen. Die Definition von ESG variiert stark und es gibt eine Vielzahl von verwandten Begriffen, deren Bedeutungen sich überschneiden oder die unscharf sind, wie zum Beispiel „Corporate Social Responsibility“, „Impact Investing“ und „Mikrofinanz“.

 

Das Fehlen einheitlicher, global festgelegter Standards erschwert es Investoren, ESG-Anlagen miteinander zu vergleichen und gegenüberzustellen. Darüber hinaus wird Unternehmen die Entscheidung erschwert, wie diese am besten ihre Leistungen im ESG-Bereich nachweisen können. Dadurch hat sich auch die Vorstellung verfestigt, dass Investitionen gemäß ESG-Prinzipien zwangsläufig zu Leistungseinbußen führen, obwohl aktuelle Untersuchungen zeigen, dass dies nicht der Fall ist[2]. In den schlimmsten Fällen haben Unternehmen das Fehlen von Standards ausgenutzt, um ihre Erfüllung von ESG-Prinzipien verzerrt darzustellen oder zu fingieren – eine Praxis, die als „Greenwashing“ bezeichnet wird.

 

Was wird derzeit getan, um Standards für ESG-Investitionen zu entwickeln?

Verschiedene Unternehmen aus der Privatwirtschaft haben daher ihre eigenen ESG-Kriterien entwickelt, um diese Lücke zu füllen. Der Aktienindex MSCI beispielsweise untersucht „Tausende von Datenpunkten bei den 37 wichtigsten ESG-Themen“, um Unternehmen und Wertpapiere zu bewerten und zu vergleichen.[3]

 

Gleichzeitig entwickelt der Europäische Bankenverband (EBF) in Brüssel derzeit Prinzipien für verantwortungsvolles Banking, die einen globalen Maßstab dafür setzen sollen, was genau eine verantwortungsvolle Bank ausmacht. Ihr Ziel ist es, die Bankenbranche mit den gesellschaftlichen Zielen, wie sie in den Zielen für nachhaltige Entwicklung und dem Pariser Klimaabkommen festgelegt sind, in Einklang zu bringen. Der EBF bittet nun andere Banken und Stakeholder weltweit um ihr Feedback und ihre Vorschläge zu den Kriterien, die von 28 Banken auf fünf Kontinenten entwickelt wurden.

 

Was tut die Deutsche Bank, um die ESG-Standards zu verbessern?

Die Deutsche Bank hat eine aktive Rolle bei den Beratungen zu den vorgeschlagenen EBF-Prinzipien übernommen. Unserer Ansicht nach handelt es sich dabei um die aktuell weitreichendsten Bemühungen zur Entwicklung von gemeinsamen Standards, mit denen nicht nur die Bewertung und Umsetzung von ESG-Themen, sondern auch die damit verbundene Transparenz verbessert werden soll. Dieser Prozess wird allerdings Zeit in Anspruch nehmen, weshalb wir Wege entwickelt haben, mit denen wir die Informationslücke kurzfristig schließen möchten.

 

Auch wenn eine Messung von Sozial- und Governance-Aspekten im Rahmen der ESG-Prinzipien als schwierig erachtet wird – unmöglich ist sie nicht. Es geht vielmehr darum, die richtigen Daten in Sachen Soziales und Governance zu messen und diese auf eine Art und Weise zusammenzuführen, aus der sich ein repräsentatives und transparentes Bild eines Unternehmens oder einer Anlagemöglichkeit ergibt.

 

Im April 2018 hat die Deutsche Bank „α-DIG“ (ausgesprochen alpha-dig), ein System künstlicher Intelligenz, entwickelt, um die Einhaltung von ESG-Prinzipien auf quantifizierbare Weise zu messen und somit ESG in den traditionellen Anlageprozess zu integrieren. Das System verarbeitet sehr große Mengen qualitativer Daten, wie Berichte, Pressemitteilungen und Nachrichtenartikel, unter Verwendung speziell entwickelter Algorithmen, um zu bewerten, wie gut sich Unternehmen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern z.B. an ESG-Prinzipien halten. Auf diese Weise werden die immateriellen Aspekte eines Unternehmens, wie Humankapital, Innovation, Markenwert, Managementqualität und ökologische Nachhaltigkeit, analysiert.

 

Wie α-DIG dabei helfen kann, die Lücken in der ESG-Berichterstattung zu füllen

α-DIG bewertet alle Aspekte von ESG. Bei den ökologischen Faktoren betrachtet es Aspekte wie Transitionsrisiken im Zusammenhang mit dem CO2-Ausstoß, indem es aktuelle Pressemitteilungen analysiert, um zu überprüfen, welche Unternehmen ihre Emissionen senken und sich dazu verpflichten, ihre CO2-Ziele zu erreichen. Bei den sozialen Faktoren bewertet es Unternehmen danach, wie vielfältig die Belegschaft ist, sowie anhand anderer Aspekte der Unternehmenskultur. Im Hinblick auf Governance warnt das System den Benutzer bei kontroversen Vorfällen, wie beispielsweise Rechtsstreitigkeiten oder regulatorischen Verstößen.

 

Unternehmen versuchen oft, bestimmte Daten in ihren Quartalsberichten zu verstecken und negative ESG-Inhalte der Öffentlichkeit nur häppchenweise zur Verfügung zu stellen, um deren Auswirkungen zu verringern. Darüber hinaus hat das Team von α-DIG herausgefunden, dass die meisten ESG-Daten, die von Unternehmen veröffentlicht wurden, veraltet waren.

 

Die Technologie steht Kunden des Deutsche Bank Wealth Management aktuell zwar noch nicht direkt zur Verfügung, sie wird aber derzeit von institutionellen Anlegern getestet und wir hoffen, dass wir damit einen wertvollen Beitrag zum Werkzeugkasten der Analysten leisten können, während sich die ESG-Standards weiterentwickeln.

 

 

Fußnoten
1.

http://www.gsi-alliance.org/members-resources/trends-report-2016/

2.

https://deutschewealth.com/content/deutschewealth/de/our_perspective/measuring-esg.html

3.

https://www.msci.com/esg-ratings

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