Paolo Pininfarina ist Vorsitzender von Pininfarina, dem legendären italienischen Designstudio und Karosseriebauunternehmen. Nach der kürzlichen Einführung des elektrischen Hypercars 'Battista' verrät er, wie eine Traditionsmarke es schafft, stets einen Schritt voraus zu sein.

 

Paolo Pininfarina ist ein Spross der größten Dynastie des Automobil-Designs. Sein Großvater, Battista „Pinin“ Farina, war das zehnte von elf Kindern und erwies sich in den Pioniertagen des Automobils als ein besonders frühreifes Talent. Mit zwölf Jahren begann er, in der Karosseriewerkstatt seines Bruders Giovanni zu arbeiten. In der Zeit als Teenager lernte er Fiat-Gründer Giovanni Agnelli kennen. In seinen Zwanzigern traf er dann auch Henry Ford. Beide wusste er zu beeindrucken.


1928 wurde die Carrozzeria Pinin Farina gegründet, in der Karosserien für Alfa Romeo, Fiat, Lancia und viele mehr entworfen und gebaut wurden. In der Nachkriegszeit setzten Battistas Arbeiten an dem Cisitalia 202 aus dem Jahr 1946 eine bahnbrechende neue Vorlage, indem Chassis und Mechanik vollständig in einem zeitlos eleganten Gehäuse umschlossen wurden. Doch seine Arbeit und lange Verbundenheit mit Ferrari sicherte ihm letztendlich seinen Legendenstatus. Autos, wie der 250 GT SWB (1959), Dino (1967) und Daytona (1968), bis hin zum 458 Italia aus dem Jahr 2009, haben für viele Menschen den Standard gesetzt, wie ein Sportwagen aussehen sollte. Als Ferrari 2011 sein eigenes Designzentrum, das Centro Stile, gründete, änderte sich Pininfarinas Rolle. Das Unternehmen entwarf und fertigte von da an Einzelmodelle oder kleinere Serien und erhöhte somit die Diversifikation seines Portfolios.


Pininfarina hat seinen Aufgabenbereich auf das Industriedesign erweitert, doch seit der Übernahme durch das indische Konglomerat Mahindra im Jahr 2015 ist etwas Neues hinzugekommen, das der Gründer nie geschafft hatte: Die Herstellung eines eigenen Automobils. Automobili Pininfarina nutzt das Asset-Light-Geschäftsmodell unter Anwendung bestehender Technologien und Partnerschaften, um den Battista zu bauen, ein 1.900 PS starkes E-Hypercar, das auf 150 Einheiten begrenzt ist und jeweils rund 2,3 Millionen US-Dollar (2 Millionen Euro) kostet. Der Battista ist der bisher leistungsstärkste italienische Straßenwagen und soll in weniger als zwei Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Die 299-km/h-Marke erreicht er in unter zwölf Sekunden, Top-Speed wird bei über 400 Sachen liegen. Pininfarina verspricht eine Reichweite von etwa 402 km und Batterien, die mit einem Schnellladesystem in 40 Minuten zu 80 Prozent aufgefüllt werden können.

 

Paolo Pininfarina, der Vorsitzende von Pininfarina, erklärt uns hier, wie eine legendäre Marke auch in der Gegenwart noch relevant bleibt.

 

Die Tradition ehren

Mein Großvater würde sich über den neuen Battista freuen. Dieser Elektrorenner verdient seinen Namen. Er träumte sein ganzes Leben lang und hatte diese Vision von Geschwindigkeit, Schnelligkeit und Leistung. In den 1930er Jahren entwickelte er stromlinienförmige Hochgeschwindigkeitswagen und war der kreative Kopf hinter rekordbrechen-den Autos aus den 1960er Jahren. Battista war eine echte Ausnahmeerscheinung, er war wirklich einzigartig. Um als solch ein Individualist erfolgreich zu sein, sind verschiedene Dinge vonnöten: Talent, Engagement und natürlich, dass man sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort befindet. Er wurde 1893 in Turin geboren, als die motorisierten Wagen noch in den Kinderschuhen steckten und er war von anderen talentierten Menschen umgeben, die sich ebenfalls mit der Zukunft des Automobils befassten. Und so kam der Erfolg. Knapp 90 Jahre später kann ich stolz behaupten, dass ich der einzige Vorsitzende eines Designhauses bin, das in der dritten Generation geführt wird. Das ist etwas ganz Besonderes.

 

Starke Markenwerte

Eleganz und Schönheit sind von grundlegen-der Bedeutung. Pininfarina hat es sich zur Aufgabe gemacht, innovative, unverfälschte, schlichte und elegante Autos zu entwerfen. Das Battista-Projekt war eine große Heraus-forderung, weil wir es für uns selbst entwerfen: Wir wollen, dass er zu 110 % Pininfarina entspricht. Verhandlungen oder Kompromisse kommen nicht in Frage – das sind wir. Daher haben wir uns wirklich mit allen Werten der Marke auseinandergesetzt und ich glaube, wir waren erfolgreich. 

 

Begeisterung für neue Technologien

Der herausragende technische Aspekt des Battista besteht darin, dass er komplett elektrisch ist. Dies repräsentiert die Zukunft: ein Maßstab für E-Hypercars. Dadurch ist der Battista so speziell und aktuell. Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte über Elektrifizierung erzählen, eine Geschichte, die nicht viele Menschen kennen. Mein Großvater besuchte 1959 das Weiße Haus und traf dort den damaligen Präsident Dwight Eisenhower. Sie unterhielten sich über italienisches und amerikanisches Design und Präsident Eisenhower fragte nach der Zukunft des Automobils. Die Antwort meines Großvaters war Elektrifizierung. Doch er fügte hin-zu, dass es die Aufgabe seiner Nachfolger wäre, dies zu realisieren. Ich wurde im Jahr 1958 geboren!

 

Diversifiziertes Design

Wir haben vor mehr als 30 Jahren damit begonnen, außerhalb des Automobilbereichs zu arbeiten. Seitdem haben wir 700 Projekte in Bereichen wie Industriedesign, Möbel, Boote sowie in der Luft- und Raumfahrt entwickelt. Diese Diversifikation hat den Mehrwert für unser Unternehmen und für unsere Marke erhöht. Außerdem bestätigt es, dass man mit gutem Design weltweit ins Gespräch kommen kann.

 

Auf Erfahrung aufbauen

Ich war sieben Jahre alt [als mein Großvater starb]. Er war lieb zu uns Kindern, er war ein besonderer Mann. Wir verstanden die Bedeutung von Pininfarina, Pininfarina zu sein, und wir haben uns oft die Geschichten über ihn angehört. Über 5.000 Leute kamen zu seiner Beerdigung, und erst dann haben wir verstanden, wie wichtig er für die Gemeinde war. Mein Vater Sergio hat weder mich noch meinen Bruder in das Familienunternehmen gedrängt. Es war ein schritt-weiser Lernprozess, bis es ganz natürlich schien, ins Familienunternehmen einzusteigen. Und ich bin jetzt seit 36 Jahren dabei.

 

 

Jason Barlow ist ein Autojournalist und Fernsehsender mit Sitz in London. Er schreibt regelmäßig für The Sunday Times, Top Gearmagazine und GQ Magazine.

 

Dieser Artikel erschien erstmals in der Mai-Ausgabe 2019 von WERTE, dem Kundenmagazin von Deutsche Bank Wealth Management.


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