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Im Alter von 27 Jahren war Peter Piot nicht nur an der Entdeckung des Ebola-Virus beteiligt, er führte auch bahnbrechende Forschungen über HIV/AIDS durch - Errungenschaften, die ihn von der Financial Times zum "Mick Jagger der Mikroben" und von der Zeitschrift TIME zur Person des Jahres 2014 (als einen der "Ebola-Kämpfer") gekürt haben. Er war der Gründungs Exekutive Director von UNAIDS und von 1995 bis 2008 Unter Generalsekretär der Vereinten Nationen. Derzeit ist er Direktor der London School of Hygiene & Tropenmedizin, sowie Handa Professor für Global Health. Vor kurzem wurde er zum Sonderberater des Präsidenten der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation für COVID-19 ernannt.

Am 18. Mai nahm er an unserem jüngsten Webinar in unserer Experten-Gesprächsrunde teil, um mögliche Wege aus der CIVID-19-Krise mit Claudio de Sanctis, Global Head of Deutsche Bank Wealth Management, sowie Salman Mahdi, Vice Chairman of Deutsche Bank Wealth Management, zu diskutieren und weltweit eingehende Kundenfragen zu beantworten. 

 

COVID-19 News: Hier schauen Experten nach neuesten Informationen

„Neben der Virus-Epidemie erleben wir auch eine Informationsepidemie, und vieles davon hilft nicht weiter“ warnte Professor Piot die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Offen gesagt, [viele Informationen] sind Unfug, ja sogar 'Fake News'."

 

Dennoch, fügte er hinzu, gebe es eine Reihe von Quellen, die seiner Ansicht nach zuverlässig und verbindlich seien, jede mit ihren individuellen Stärken. Für tägliche Updates zur globalen Situation empfiehlt er beispielsweise die Website der Johns Hopkins University in Baltimore, USA und der Weltgesundheitsorganisation.

 

Bei spezielleren Fragen wie „Hilft Hydroxychloroquin tatsächlich bei der Vorbeugung vor COVID-19 oder der Behandlung?“ „muss man sich stärker in medizinische Informationen wie das New England Journal of Medicine einlesen“, so seine Empfehlung. Und für epidemiologische Informationen und Modelle empfiehlt er sein eigenes Institut, die London School of Hygiene & Tropical Medicine.  

 

Piots Meinung zum Umgang mit der COVID-19-Krise auf dem Weg zu einer neuen Normalität

Da viele Regierungen strenge Regeln gegen die Ausbreitung des Virus verhängten, sah Professor Piot Grund zum Optimismus. „Infolge all dieser Maßnahmen werden wir wahrscheinlich einen Rückgang der Neuinfektionen verzeichnen“, sagte er. „[Das Virus] wird vermutlich in Wellen zurückkehren, wie es vor 100 Jahren bei der Spanischen Grippe der Fall war. Doch die gute Nachricht ist, dass es heute erhebliche Investitionen in Wissenschaft, Innovation und Technologie gibt. Ich denke, Wissenschaft und Innovation sind der Motor für eine wirkliche Exit-Strategie."

 

Er bezweifelte, dass ein effektiver Impfstoff großflächig bis Ende 2020 zur Verfügung stehen werde. „Dieser Impfstoff muss Milliarden von Menschen verabreicht werden“, sagte er. „Wir können es uns deshalb nicht leisten, dass er schädliche Nebenwirkungen hat.“ Selbst wenn in der Entwicklung des Impfstoffs und den klinischen Studien alles reibungslos läuft, dürfte der Aufwand, Milliarden von Dosen zu produzieren, beispiellos sein.

 

Darüber hinaus wissen wir nicht, wie wirkungsvoll so ein Impfstoff sein wird. Die jährliche Grippeimpfung, die viele Menschen in der entwickelten Welt erhalten, schütze etwa nur 40–60 % der Leute, hob er hervor. Ein COVID-19-Impfstoff, wenngleich sehr hilfreich, „wird das Virus nicht eliminieren“, sagte er. „Wir werden somit darüber nachdenken müssen, wie die Gesellschaften mit dieser neuen Mikrobe leben können.“

 

Therapeutika, argumentierte Professor Piot, würden zu schnelleren Ergebnissen führen. „Warum? Weil sie im Allgemeinen leichter zu produzieren sind – es sind kleine Moleküle oder ‚monoklonale Antikörper'. Es laufen groß angelegte Versuche, und auf europäischer Ebene gibt es eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Ländern." Auch das Medikament Remdesivir, sagte er, zeige vielversprechende Ergebnisse.

 

„Wir benötigen vermutlich unterschiedliche Therapieformen – solche, die das Virus ausschalten und solche, die auf die Hyperimmunreaktion einwirken“, sagte er. Trotz allem fügte er hinzu, „Ich würde sagen, in vier bis fünf Monaten sollten wir ein recht gutes Arsenal an Therapien haben, die dann verfeinert werden können."

 

Warum Europa sowohl von der Öffentlichkeit als auch von der Politik eine überlegte Reaktion auf COVID-19 braucht

Professor Piot sprach über die Ansätze der Regierungen im Umgang mit der COVID-19-Krise und lobte die Europäische Union für ihren Pluralismus. „Diese Art der Bedrohung sucht ihresgleichen, daher lernen wir alle im Verlauf dazu“, bestätigte er. „Aber ich glaube, diese Vielfalt wird uns letztlich zeigen, welche [Ansätze] effektiver sind als andere."

 

Dennoch sagte er, „auf der politischen, der bürokratischen Ebene ist Gesundheit keine Kompetenz der Europäischen Union“. Es wird eine Kernkompetenz werden müssen, will man bei künftigen epidemiologischen Bedrohungen schnell handeln. 

 

Die nächste bevorstehende Bedrohung ist die Sommerferienzeit. „Für die Mittelmeerländer ist der [grenzüberschreitende Tourismus] überlebenswichtig“, sagt er, „hier Sicherheit zu schaffen muss wirklich oberstes Gebot sein. Und genau an dieser Stelle muss Europa durch die Europäische Kommission eine Rolle spielen."

 

Die von COVID-19 gebotene Chance, schlug Professor Piot vor, bestehe darin, Regierungen weltweit einen Anreiz zur Schaffung erforderlicher Infrastrukturen zu geben, damit sich künftige Virenausbrüche besser vorhersehen, verhindern und eindämmen ließen. „Man richtet keine Feuerwehr an dem Tag ein, an dem ein Haus in Brand gerät“, so seine Schlussfolgerung. „Sie muss stets einsatzbereit sein.”

 

Weitere Informationen

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