Giampaolo Dallara baut Fahrgestelle für Renn­wagen. Mit der Erforschung  leichter, umweltfreundlicher Materialien und energie­effizienter Aerodynamik trägt das Unternehmen zur Mobilität von morgen bei

Wenn ein knallgelber, stromlinienförmiger Sportwagen auf der Via Provinciale am mäandernden Flussbett des Ceno entlang durch die Ortschaft Varano de’ Melegari röhrt, sitzt am Steuer nicht selten ein 83-Jähriger. Der vergnügte Gentleman im tadellosen Anzug mit Krawatte ist Giampaolo Dallara. Er fährt täglich zu seinem Büro in dem nach ihm benannten Unternehmen. Das breitet sich an der Provinzstraße über mehrere Gebäude aus. Die Dallara Academy ist das architektonische Highlight – und das soziale.

Giampaolo Dallara ist Ingenieur für Luftfahrttechnik und Aerodynamik. Er hat in fünf Jahrzehnten ungezählte Chassis für Auftraggeber aus dem internationalen Rennsport gebaut.

 

Der gelbe Flitzer ist die Krönung seiner Lebensleistung als Autokonstrukteur und der erste straßenzugelassene, der seinen Namen trägt – Dallara Stradale. Das Auto hat zwar 400 PS, schluckt aber nur 7,6 Liter und wird um­welt­schonend produziert – eine Innovation seines Unternehmens, die den Präsidenten mit Stolz erfüllt. „Die Welt ändert sich rasant. Und wir mit ihr. Wir müs­sen innovativ agieren, Emissionen reduzieren, neue Technologien und Materialien erfinden, alternative Energiequellen erforschen.“ 

 

Seine Karriere begann 1959 als Assistent bei Ferrari. Vier Jahre später wurde er technischer Direktor bei Lamborghini, wo er unter anderem die Sportwagen-Ikone Miura konzipierte. Nach Stationen bei Maserati und De Tomaso machte er sich 1972 in seinem Geburtsort Varano de’ Melegari südwestlich von Parma selbständig, gründete Dallara Automobili da Competizione. Bis heute werden hier Chassis und Karosserien für Rennteams entwickelt, die Motoren werden zugeliefert. Im eigenen Windkanal und Simulator wird das Ultimative getestet. Jedes Jahr verlassen bis zu 250 Boliden die Manufaktur Dallara in alle Welt, in unterschiedlichen Formel-Klassen für verschiedene Rennställe. Besonders siegreich fahren die Modelle in der Formel 3, den IndyCar-Championships und der Formel E. An jedem Wochenende sind weltweit rund 300 Rennwagen von Dallara im Einsatz.

 

 

„Vor sechs Jahren kam Giampaolo zu mir ins Büro und sagte: Andrea, mein Traum ist ein straßenzugelassener Sportwagen, der das Beste unseres Wissens und Könnens vereint. Und ich möchte ihn fahren, bevor ich meine letzte Reise antrete“, erzählt Andrea Pontremoli, CEO und Anteilseigner. „Sein Wunsch war mir Befehl. Zu seinem 80. Geburtstag konnte er sich ans Lenkrad des Prototyps setzen, ein Jahr später bekam er die Nummer 1 des Serienmodells.“ Pontremoli fährt den Stradale Nummer 2. Von der auf 600 Exemplare limitierten Baureihe sind 100 ausgeliefert.

 

Bevor Andrea Pontremoli 2007 zu Dallara wechselte, war er Präsi­dent von IBM Italien. Er soll auf Wunsch des Padrone das Unternehmen in die Zukunft führen, nachdem seine eigentlich als Nachfolgerin auserkorene Toch­ter Caterina verstarb. Seine zwei­te Tochter Angelica ist zwar auch Ingenieurin und Vizepräsidentin des Unternehmens, als Mutter von drei Söhnen und einer Tochter war sie aber nie im operativen Geschäft tätig. Einer ihrer Söhne arbeitet bei Dallara, auch eine der fünf Töchter Pontremo­lis. Giampaolo Dallara überlässt seinem CEO zu entscheiden, wer aus beider Familien das Zeug zum Nachfolger hat. Pontremoli ist sich bewusst, dass die automobile Zukunft eine andere sein wird als die der Vergangenheit. „Mit dem eigenen Pkw von A nach B zu fahren ist nur eine Variante der Mobilität – und die wird mit öffentlichem Transportwesen, Carsharing und autonomem Fahren obsolet.“ 

 

In New York City betrage die Durchschnittsgeschwindigkeit des Verkehrs 7 km/h. „Autofahren ist absurd, wenn man zu Fuß schneller ist!“ Pontremoli vergleicht seine Vision von der Dallara-Zukunft mit dem Schicksal der Pferde nach der Erfindung des Automobils. „Fuhrwerke sind aus dem Straßenbild verschwun­den, aber für passionierte Hobbyreiter und den professionellen Pferdesport werden exzellente Tiere gezüchtet.“ 

 

 

Zusammen mit sechs anderen Automobilunternehmen im Umkreis bildet Dallara das „Motor Valley“. Es soll eine Attraktion für Autofans werden, mit vier Rennstrecken, sechs Trainingszentren und mehreren Automuseen. „Auf dem Markt konkurrieren, aber regional zusammenarbeiten“, nennt das der Dallara-Chef. „Unsere Wertegemeinschaft steht für Kompetenz und Exzellenz made in Italy.“ Denkbar ist ein exklusiver Car Country Club, in dem Mitglieder wie in einem Golfclub ihrem Hobby frönen. Vereint Stärke zeigen die Unternehmen auch mit dem Projekt MUNER (Motorvehicle University of Emilia-Romagna). „Wir bereiten die Ingenieure von morgen vor. Sie profitieren von unserer Erfahrung, dem Simulator oder dem Windkanal“, sagt Pontremoli. Die Meisterklasse für Rennwagen-Design ist in der Dallara Academy beheimatet. Das moderne Ge­bäu­­de zeigt nicht nur die automobilen Schmuckstücke der Dallara-Geschichte, es ist insgesamt der Öffentlichkeit gewidmet. Hier werden Schüler jeder Altersklasse aus der Gegend an die Themen Physik und Aerodynamik herangeführt. „Ich will meiner Heimat, der ich viel zu verdanken habe, etwas zurückgeben.“ Soziales Engagement beschränkt sich aber nicht nur auf Ausbildung und Lehre vor Ort. Im Gedenken an die verstorbene Tochter unterstützt das Unternehmen seit zwölf Jahren ein Handwerkerdorf in Sierra Leone; die Werkstatt Caterina Dallara bildet Mechaniker aus und fördert so die lokale ökonomische Entwicklung.

 

Und was unternimmt ein Unternehmen, dessen Produkte zu den Lieblingsfeindbildern der Klimaschützer zählen? „Wir nehmen Umweltverantwortung ernst und haben in den letzten Jahren einiges an technologischer Nachhaltigkeit eingeführt, die Energieeffizienz unserer Autos und der Produktion verbessert“, betont Pontremoli. Strom wird aus erneuerbaren Energiequellen bezogen. Plastikflaschen sind tabu, Wasser zapfen die Mit­arbeiter aus kostenlos zur Ver­fügung gestellten Spendern in eigene Flaschen. Dallara ist für sein Umweltmanagement ISO-zertifiziert. Darüber hinaus kooperiert Dallara mit dem Umweltministerium, erforscht neue ökofreundliche Materialkomponenten, berät Hersteller von Elektromotoren und andere Unternehmen, für die Energieeinsparung durch Aero­dynamik wichtig ist. „Unsere Kompetenz bringen wir derzeit in die Entwicklung der Metro auf Hawaii ein.“ Dallara schaut zuversichtlich in die Zukunft der Mobilität.

 

Dieser Artikel erschien erstmals in der Mai-Ausgabe 2020 von WERTE, dem Kundenmagazin der Deutsche Bank Wealth Management. Lesen Sie mehr aus dem Magazin auf werte.com

 

 

Unternehmensporträt: Dallara

 

Das 1972 bei Parma gegründete Familienunternehmen wird von Andrea Pontremoli geleitet. Präsident ist der Gründer Giampaolo Dallara. Die Automanufaktur ist an der Organisation der letzten Etappe der legendären Mille Miglia beteiligt. Am Rande der Oldtimer-Rallye, die in diesem Jahr voraussichtlich vom 22. bis 25. Oktober stattfindet, wird auch der auf 600 Exemplare limitierte Sportwagen Dallara Stradale zu sehen sein.

 

 



Der Inhalt und die Materialien dieser Webseite können als Werbematerial angesehen werden. Der Marktwert von Anlagen kann sowohl fallen als auch steigen, und Sie erhalten nicht zwangsläufig zu jedem Zeitpunkt den ursprünglich angelegten Betrag zurück. Die auf diesen Webseiten enthaltenen Produkte, Dienstleistungen, Informationen und/oder Materialien sind möglicherweise für Einwohner gewisser Länder nicht verfügbar. Bitte beachten Sie zur weiteren Information die Verkaufsbeschränkungen für die betreffenden Produkte oder Dienstleistungen. Die Deutsche Bank erteilt keine Steuer- oder Rechtsberatung; potentielle Anleger sollten sich vor Abschluss einer Investition von ihren eigenen Steuerberatern und/oder Anwälten beraten lassen.