Ocean

Experten-Gesprächsrunde: Ozeane und Klimawandel

In unserer internationalen Experten-Gesprächsrunde diskutieren führende Persönlichkeiten darüber, wie wir die Gesundheit der Ozeane verbessern und diese zur Bekämpfung des Klimawandels nutzen können.

Unsere Ozeane besitzen ein enormes Potenzial, Kohlendioxid zu binden. Aber wir können es uns nicht leisten, dies als selbstverständlich vorauszusetzen. Im Vorfeld der 26. Weltklimakonferenz in Glasgow haben wir mehrere führende Experten gefragt, wie sich der Zustand der Weltmeere verbessern lässt – und wie ihr Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel genutzt werden kann.

 

Salman Mahdi, Global Vice Chairman der Deutschen Bank Internationale Privatkundenbank, organisierte eine spannende Diskussionsrunde mit dem Thema, wie die Meere uns dabei helfen können, das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

 

Seit der industriellen Revolution wurde ein Viertel aller CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe von den Meeresgewässern aufgenommen. Doch die komplexen Systeme, die dafür sorgen, dass Kohlendioxid von unseren Weltmeeren überhaupt gespeichert wird, sind aktuell gefährdet.

 

Professor Ove Hoegh-Guldberg, Professor für Meereskunde an der Universität Queensland, erläuterte die Dringlichkeit der Lage und mögliche Auswege. Stuart Haszeldine, Professor für Carbon Capture & Storage (CCS) an der Universität Edinburgh, stellte Technologien vor, die uns dabei helfen könnten, den Klimawandel in Schach zu halten. Mahua Acharya, Vorstand der Convergence Energy Services Limited (CESL), präsentierte Vorschläge für eine mögliche Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft zur Lösung des Problems.

 

Abschließend führte Christian Nolting, Global Chief Investment Officer der Deutschen Bank Privatkundenbank, die Fäden zusammen, indem er die Ausführungen der Expertenrunde aus Investorensicht darlegte.

Warum der Ozean unser Verbündeter im Kampf gegen den globalen Klimawandel ist

Der Anstieg des Meeresspiegels gilt seit langem als eine der größten Gefahren für die globale Erderwärmung. Die potenzielle Leistungsfähigkeit des Ozeans ist nicht wirklich umfassend belegt, aber zu seinen größten Vorzügen zählen allein seine immense Größe und Kapazität.

 

Professor Ove Hoegh-Guldberg erklärte, dass der Ozean genutzt werden könnte, um die CO2-Emissionen „mit relativ wenig Aufwand“ beträchtlich zu senken. Das Potenzial sei enorm, so Hoegh-Guldberg. Er erläuterte, dass relativ leicht erkennbare Einsparungen 21 Prozent der Emissionslücke ausmachen könnten, die erforderlich ist, um die Erderwärmung zu stoppen und das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

 

„Wir neigen dazu, Schwarzmalerei zu betreiben, aber in Wirklichkeit gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, etwa den Offshore-Ausbau von erneuerbaren Energien. Durch schwimmende Solar- und Windkraftanlagen könnten jährlich bis zu fünf Gigatonnen an CO2-äquivalenten Emissione eingespart werden“, fuhr er fort.

 

Ferner könnte man bei der Schifffahrt durch eine Umstellung auf Wasserstoffmotoren und eine Abkehr vom Dieselkraftstoff einen der größten Verursacher des Treibhausgaseffekts schrittweise eliminieren. Zudem würden durch die Bewahrung von natürlichen CO2-Speichern in den Meeresgewässern und an den Küsten, darunter Seetangwälder und Mangrovensümpfe, erhebliche Mengen an Kohlendioxid im Boden verbleiben.

 

Die Vorschläge von Professor Hoegh-Guldberg stammen aus einem Projekt, bei dem sich rund 20 Experten mit der Frage auseinandergesetzt haben, wie man den Ozean als Verbündeten und nicht als Opfer des Klimawandels betrachten könne: „Wir haben nur an der Oberfläche gekratzt und mussten gar nicht so furchtbar radikal denken.“, so Hoegh-Guldberg weiter.

 

Dieser Optimismus rührt daher, dass sich die Auswirkungen der steigenden Temperaturen in natürlichen Prozessen wie dem Wasserkreislauf bemerkbar machen. So führte ein erhöhter Feuchtigkeitsgehalt in der Atmosphäre zu den jüngsten, dramatischen Starkregenereignissen – oder Überschwemmungen –, die in Deutschland und Teilen Asiens tödliche Flutkatastrophen verursacht haben.

Fachkompetenz aus dem Öl- und Gassektor könnte bei der Speicherung von Kohlendioxid helfen

Professor Stuart Haszeldine sprach über die Anpassung und Verbesserung von Technologien aus der fossilen Brennstoffindustrie, um abgeschiedenes Kohlendioxid in Gesteinsformationen zu injizieren, wo es „über sehr, sehr lange Zeiträume sicher“ geologisch gespeichert werden kann.

 

Er rief zum Handeln auf und nannte dies „absolut kritisch und dringend - wir hätten schon vor 30 oder 40 Jahren damit beginnen sollen“. Beispielhaft für den möglichen Fortschritt, der erzielt werden kann, verwies er auf das Vereinigte Königreich, das seine CO2-Emissionen seit 1990 halbiert habe, blieb aber „bedauerlicherweise pessimistisch“, was das Erreichen globaler Grenzwerte für den Temperaturanstieg angeht.

 

„Es ist Aufgabe der Politiker und Regierungen, die Vorteile für ihre Bürger und Wähler zu erarbeiten, zu erklären und diese anschließend in großem Maßstab umzusetzen“, so Haszeldine.

 

Die potenzielle Nutzung des Ozeans für die Speicherung von Kohlendioxid sei eine wissenschaftliche Möglichkeit, bleibe aber „tabu“ und werde als „letzter Ausweg“ betrachtet, nicht zuletzt, weil diese „Einbahnstraße für Kohlendioxid nur schwer rückgängig gemacht werden könnte, wenn wir zu der Ansicht gelangen, einen Fehler gemacht zu haben“.

Vervielfachung der CO2-Einsparungen durch öffentliche, private und finanzielle Initiativen

Mahua Acharya erläuterte, wie ein Zusammenspiel aus öffentlicher Hand und Privatwirtschaft dazu beitragen könnte, die notwendige Größenordnung zu erreichen, um grüne Technologien und Marktlösungen zur Verringerung der CO2-Emissionen zu fördern.

 

Sie erläuterte, dass sie sich derzeit schwerpunktmäßig mit der Förderung des Ausbaus von „Elektromobilität“ beschäftige, d. h. dem Einsatz von Fahrzeugen mit nachhaltigerem Antrieb in ganz Indien, von privat genutzten Zweirädern bis hin zu öffentlichen Verkehrssystemen. Die indischen Bundesstaaten entwickeln derzeit im ganzen Land Anreize für umweltfreundlichere Verkehrsmittel, was laut Acharya auch auf eine breite Resonanz stößt: „Die Menschen haben einfach die Nase voll von Umweltverschmutzung und [hohen] Spritpreisen!“

 

Sie wies auf Bereiche hin, in denen das vorhandene Fachwissen besser genutzt werden könnte, um nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. „Wir denken bei der Finanzierung nicht innovativ genug. In der Finanzwelt gibt es viele Strukturen, die man anwenden kann, um wirtschaftlich sinnvolle Projekte ins Leben zu rufen -  wenn es einen Business Case gibt, gibt es dazu auch einen Markt mit viel Wachstumspotenzial.“

 

Das weltweite Emissionshandelssystem, das Anreize für die Verringerung der CO2-Emissionen des privaten Sektors schaffen sollte, sei in Wirklichkeit ein „Flickenteppich“, sagte sie. „Es gibt nicht nur den einen CO2-Markt. Es gibt eine Vielzahl von CO2-Märkten. Was diese Märkte jetzt tun müssen, ist, miteinander zu reden und sich zu vernetzen.“

Gemeinsam mit den globalen Marktkräften den Klimawandel bekämpfen

Abschließend erläuterte Christian Nolting, wie die Marktkräfte genutzt werden könnten, um Negativanreize für CO2-Emissionen vorzubeugen, und dass ein wirksamer Preismechanismus „grenzenübergreifend“ sein müsste.

 

Er ging dabei auf die steigenden Emissionspreise auf den etablierten europäischen CO2-Märkten und die Entwicklung eines vergleichbaren Preismechanismus in China ein. „Es ist sehr wichtig, dass es ein klares und transparentes Preisgefüge auf allen CO2-Märkten gibt, damit dieser Mechanismus für Investoren funktioniert.“

 

Mit Blick auf die Zukunft erwähnte er die steigende Nachfrage nach transparenten Lieferketten, da Unternehmen immer mehr dazu übergehen, ihre eigenen Emissionen zu überwachen. Die Entwicklung nachhaltiger Rohstoffprodukte und sogar Methoden zur CO2-Abscheidung und -Speicherung wurden ebenfalls angesprochen.

 

„Wir brauchen etwas, [das] wie eine Kohlenstoffsenke [funktioniert]. Der Ozean ist die größte Kohlenstoffsenke und deshalb auch so wichtig. Investoren müssen diese nicht-finanziellen Faktoren bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Woher weiß man, wie hoch die Kohlenstoffintensität des eigenen Portfolios ist und welche Folgen dies hat?“

 

 

Mit besonderem Dank an unsere Experten: Professor Ove Hoegh-Guldberg, Professor für Meeresstudien an der University of Queensland; Stuart Haszeldine, Professor für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) an der Universität Edinburgh; Mahua Acharya, CEO von Convergence Energy Services Limited (CESL); und Christian Nolting, Globaler Chief Investment Officer, Deutsche Bank Privatkundenbank.

Video nur auf englisch Verfügbar.


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