Aus den im folgenden diskutierten Gründen sind die US-Renditen in dieser Woche gestiegen. Aber bedeutet dies wirklich einen Wechsel der fundamentalen Lage an den Märkten oder bleibt der weitere Renditeanstieg begrenzt? Wir sehen eine Reihe von Gründen, nahe am Status Quo zu bleiben.


1. Die US-Renditen steigen zum Teil wegen robuster Wirtschaftsdaten und der Erwartung einer strafferen Geldpolitik seitens der Fed.

Der anhaltende Ausverkauf bei US-Staatsanleihen ist teils auf die anhaltend robusten US-Daten zurückzuführen. Der Markt scheint bemüht, wahrscheinliche Auswirkungen mehrerer US-Leitzinserhöhungen in den nächsten zwölf Monaten voll einzupreisen. Neben der Lage der US-Ökonomie und der Reaktion der Fed dürften die Fiskalentwicklungen erhöhte Emissionen von US-Staatsanleihen erfordern, welche die Renditen ebenfalls in die Höhe treiben könnten, worauf wir im Folgenden eingehen werden. Die aktuellen Marktentwicklungen gehen allerdings nicht nur von den USA aus. Es ist jetzt so gut wie sicher, dass die quantitative Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) Ende Dezember 2018 endet (was Staats- und Unternehmensanleihen betrifft), so dass die Renditen in Europa nicht länger nach oben begrenzt sein werden. Dies könnte sich auch auf die transatlantischen Kapitalströme und die US-Renditen auswirken.

 

2. Merklich höhere US-Renditen würden einen Anstieg der Inflation oder der Inflationserwartung erfordern, der bis jetzt noch nicht sichtbar ist. 

Gibt es klare Grenzen für den weiteren Renditeanstieg? Unsere 12-Monats-Prognose für US-Staatsanleihen liegt bei 3,25% und wir halten diese auch weiter für realistisch. Bei einer US-Inflationserwartung von 2,25% bedeutet dies reale Renditen von ca. 1%. Renditen über 3,5% ohne einen deutlichen Anstieg von Inflation oder Inflationserwartungen würden das US-Wachstum stark dämpfen. Ein solcher Anstieg zeichnet sich noch nicht eindeutig ab, obwohl die Lage am USArbeitsmarkt gut ist. Die Finanzierung des steigenden US-Budgetdefizits könnte ein weiterer Faktor sein. Aktuell könnte dies weitgehend über kürzere Laufzeiten erfolgen, was zu einer noch flacheren Renditekurve führen würde.

 

3. Auch Probleme in den Schwellenländern oder anderswo könnten auf die Stimmung drücken und den Anstieg der Renditen bremsen.

Auch die Stimmung spielt eine Rolle. Die Anleger scheinen sich weniger um eine unmittelbar anstehende US-Rezession zu sorgen und die Tatsache, dass Kanada Anfang dieser Woche der vorgeschlagenen neuen NAFTA-Vereinbarung mit den USA und Mexiko zugestimmt hat, ließ Hoffnung aufkommen, dass die US-Handelsdiplomatie zu Ergebnissen führen könnte. Stimmungen können aber umschlagen und die negativen Folgen höherer Renditen sowie der zahlreichen Risiken, die sich abzeichnen, könnten noch nicht in vollem Umfang eskomptiert sein. Italien könnte bald neue Schlagzeilen machen, genau wie die Türkei und Argentinien. Viele Schwellenländer mit außenwirtschaftlichem Ungleichgewicht könnten empfindlich auf die doppelte Bedrohung durch höhere US-Zinsen und höhere Ölpreise reagieren, und es ist zweifelhaft, ob unmittelbare geldpolitische Reaktionen hier Lösungen bieten können. Probleme in den Schwellenländern könnten den Anstieg der US-Renditen mittelfristig bremsen, auch wenn temporär ein Anstieg über unseren Ankerwert von 3,25% hinaus nicht auszuschließen ist.

 

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