Alfred Marshall, der große neoklassische Ökonom, hat Unternehmen einmal mit den Bäumen des Waldes verglichen: „Früher oder später ereilt alle das Alter“. Die Indexneuordnungen von S&P 500 und DAX versuchen gerade zwei Dinge gleichzeitig zu berücksichtigen: Die Bäume und die Struktur des Waldes.


1. Der Wechsel im S&P 500 dürfte zu balancierteren Sektorgewichten führen, aber auch zu einer stärkeren Konzentration innerhalb der Sektoren.

S&P Dow Jones und MSCI haben beschlossen, den Aktiensektor Telekommunikationsdienste in Kommunikationsdienste umzubenennen und ihn zu erweitern. Die Änderungen werden am 28. September in Kraft treten. Es handelt sich um die größte je vorgenommene „Überholung“ der Sektoren. Die wichtigsten Ergebnisse der Maßnahmen sind: Erstens werden die S&P 500- Sektoren ausgewogener sein, auch wenn Technologie der größte Sektor bleibt, zweitens werden drei der fünf sog. FAANG-Aktien (Facebook, Netflix und Google) vom Technologie- in den neuen Kommunikationsdienstesektor wechseln und drittens werden die Änderungen dazu führen, dass sowohl der Technologie als auch der Konsumgütersektor stärker „kopflastig“, d.h. von wenigen Aktien dominiert werden. Die Folgen für die Sektoren und mögliche Auswirkungen für Anleger betrachten wir auf der nächsten Seite.

 

2. Technologie ist auch der wichtigste Treiber der DAX-Veränderung: Tech- Aktien können nun auch Bestandteil traditioneller Indizes werden.

Die bevorstehenden Änderungen der deutschen DAX-Indizes zeigen einen anderen Ansatz für ein ähnliches Problem. Während sich der S&P 500-Index insgesamt nicht ändern wird, ist das beim Leitindex DAX der Fall, da dort eine traditionsreiche Bank durch ein modernes Fintech-Unternehmen ersetzt wird. Der Realität wurde Rechnung getragen, indem die Unterscheidung zwischen „Classic“ und „Tech“ abgeschafft wird und Mitglieder des TecDAX-Index (Technologiewerte) jetzt auch im MDAX- (Mid Caps) und SDAX-Index (Small Caps) geführt werden können und umgekehrt. Es scheint sinnvoll, diese immer schwerer zu rechtfertigende Unterscheidung aufzuheben, auch wenn davon auszugehen ist, dass die jüngsten Änderungen nicht die letzten sein werden.

 

3. Sorgen um eine zu starke Konzentrierung in den Sektoren Technologie und zyklischer Konsum bleiben aber die Hauptbedenken bei der S&P-Neuordnung.

Das Problem der Marktkonzentration, auf das wir im Zusammenhang mit den S&P 500-Sektoren eingegangen sind, existiert schon lange. In der Ausgabe seiner Principles of Economics von 1910, 20 Jahre nach der Erstausgabe mit dem oben angeführten Zitat, sagte Marshall, dass sehr große Unternehmen „oft stagnieren, aber nicht wirklich sterben.“ Das Stagnieren ist heutzutage wahrscheinlich kein Problem, aber dominierende Unternehmen genießen laut Marshall (und anderer Ökonomen) immer noch zahlreiche Vorteile und man macht sich über mögliche strukturelle Folgen für die internationale Wirtschaft zunehmend Sorgen. Wie beim jüngsten internationalen Notenbanktreffen in Jackson Hole diskutiert, sind einige davon überzeugt, dass die Konzentration des Marktes zu geringeren Investitionen führt und einen rückläufigen Anteil der Arbeit am Nationaleinkommen zur Folge hat. Die besten Wirtschaftsideen können also problemlos einen „durchschnittlichen Baum überleben“.

 

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