Morgen ist der 10. Jahrestag des Lehman Brothers Konkurses. Wie sieht die Welt inzwischen aus? Das hängt davon ab, wo man sich befindet. Die USA hat zur alten Stärke zurückgefunden, Europa und die Schwellenländer eher noch nicht. Kurz, die Folgen sind bei weitem noch nicht überwunden.


1. Aus US-Perspektive hat die Erholung sowohl zu starkem Wirtschafts-wachstum und kräftigen Kursgewinnen am Aktienmarkt geführt.

Auf Seite 2 fassen wir die Spätfolgen des Lehman-Konkurses für Wirtschaft und Märkte und die politische Reaktion zusammen. Hier war die US-Notenbank Fed führend, und aus Sicht der USA war die politische Reaktion, die weit über eine einfache quantitative Lockerung (QE) hinausging, erfolgreich. Die wirtschaftliche Expansion in den USA war zwar moderat, erwies sich jedoch als nachhaltig. Die US-Wohnimmobilienpreise erholen sich, obwohl Baubeginne und Verkäufe neuer Häuser noch unter dem Niveau von vor der Krise liegen. Nach einer starken Ausweitung sind die Renditeabstände von Unternehmensanleihen auf die niedrigsten Werte seit Jahrzehnten gefallen. US-Aktien konnten im zehnten Jahr in Folge Gewinne verzeichnen. US-Finanzdaten sind solider als 2008: Das Verhältnis der Gesamtverschuldung zu den Aktiva ist so niedrig wie seit einem Jahrzehnt nicht und das Gewinnwachstum der Unternehmen ist hoch. 

 

2. Europa liegt noch ein gutes Stück zurück und sowohl politische als auch strukturelle Probleme erschweren Maßnahmen der Politik.

Aus Sicht Europas war das Jahrzehnt nach dem Lehman-Konkurs nicht so positiv. Das wurde gestern auf unterschiedliche Arten an den Sitzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England (BoE) deutlich (Seite 3). Die EZB nähert sich allmählich dem Ende der quantitativen Lockerung, aber eine Zinserhöhung vor Herbst 2019 scheint unwahrscheinlich. Die BoE redet ihrerseits um die schwache britische Wirtschaft herum, wobei die Unsicherheit um den Brexit ein wesentlicher Dämpfungsfaktor ist. Man wird vermutlich noch lange diskutieren, in welchem Maße die Veränderung der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen durch die Lehman-Pleite eine populistische Stimmung und somit die Brexit-Entscheidung sowie politische Veränderungen in anderen europäischen Ländern (z. B. Italien) gefördert hat. Einige Volkswirtschaften (wie z. B. Deutschland, Seite 4) haben die Krise besser überstanden als andere. Allerdings kann man nicht uneingeschränkt behaupten, dass es Europa wirtschaftlich wieder gut geht. 

 

3. China und andere Schwellenländermärkte dürften nun durch indirekte Lehman Nachwehen betroffen werden.

Auch der Zollstreit kann als indirekte Folge des Lehman-Zusammenbruchs, der darauf folgenden Ernüchterung in den USA und in geringerem Maße auch in anderen Ländern gesehen werden. Die Handelsspannungen zeigen in China bereits Wirkung, wie wir auf Seite 5 darlegen. Die Schwellenländer haben ein Jahrzehnt nach der Lehman-Pleiten nicht nur unter Handelsproblemen zu leiden, sondern auch unter den Folgen des starken USD. Investoren betrachten die Fundamentaldaten der Schwellenländer skeptischer, und wir rechnen damit, dass die Volatilität noch einige Monate anhalten wird, bevor die Handelsprobleme langsam nachlassen werden und sich die Stimmung erholen wird. 

 

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