Nachdem sie die bestehenden Handelsregime aufgewirbelt hat, dürfte es die US-Regierung nicht eilig haben, einen neuen Status quo zu finden. Wir sehen das jüngste Verhandlungsergebnis zwischen den USA und Europa mit Vorsicht und erwarten weiter Handels- (und daher auch Markt-) Ungleichgewichte.

 

1. Der Handelsvertrag zwischen USA/Europa hat hohe Ansprüche und stellt angedrohte Zölle zurück. Streitpunkte bleiben jedoch bestehen.

Eine Gefahr beim Aufrütteln eines bestehenden Gleichgewichts liegt darin, dass man nicht sicher sein kann, wo sich das neue Gleichgewicht einstellen wird. Die jüngsten Entwicklungen im Außenhandel verdeutlichen dies. Das Treffen am Mittwoch von US Präsident Trump und dem Präsidenten der EU-Kommission Juncker brachte ein besseres Ergebnis als viele erwartet hatten. Beide Seiten verkündeten, dass man an einer Abschaffung von Zöllen und anderen Handelsbarrieren für verarbeitete Güter (mit Ausnahme des umstrittenen Autosektors) arbeiten werde. Die Androhung neuer Zölle werde vorerst außer Kraft gesetzt (einschließlich der auf Autoimporte) und die Verhandlungen auch für eine Reform der Welthandelsorganisation (WTO) würden fortgesetzt. Die Reaktion auf den Vertrag waren allgemein positiv, der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier, bezeichnete ihn als „Durchbruch“. Der französische Wirtschaftsminister, Bruno Le Maire, blieb vorsichtiger und bemerkte, dass genauere Informationen nötig seien und warnte, dass landwirtschaftliche Produkte ausgeschlossen werden sollten. Umwelt- und Nahrungsmittelstandards dürften künftig umstritten bleiben, ebenso wie die US- Beschaffungspolitik im öffentlichen Sektor. 

 

2. Gegenüber Europa dürften die USA mit einer nachgiebigeren Haltung zufrieden sein, der Druck auf China dürfte aber aufrecht erhalten bleiben.

Das Ergebnis der US/EU Gespräche führte zu Kursanstiegen bei Aktien. Wir raten jedoch weiterhin zur Vorsicht. Zunächst dürfte die US-Regierung mit einer entgegenkommenderen Haltung gegenüber Europa zufrieden sein, da es Anzeichen gibt, dass US-Politiker und Wähler zunehmend „kalte Füße“ bei Zöllen und Handelsschutzmaßnahmen bekommen. Die Reaktionen auf den Plan von Präsident Trump die von der Handelsregulierung betroffenen Farmer mit 12 Mrd. USD zu entschädigen, waren überwiegend negativ. Deshalb möchte Präsident Trump vor den Zwischenwahlen einen politischen Erfolg vorweisen. Er dürfte aber den Druck auf China, den eigentlichen Fokus, aufrecht erhalten zu wollen. Zudem steht noch eine Reform der NAFTA zur Diskussion. 

 

3. Aufgrund der starken Binnenwirtschaft dürfte der Druck eine Lösung zu finden für die USA geringer sein, als für die Handelspartner.

Die heute veröffentlichten starken Q2 BIP Zahlen der USA und die Erwartung ebenfalls robuster Ergebnisse der Konjunkturindikatoren der kommenden Woche deuten an, dass die US-Wirtschaft von den Handelsstreitigkeiten bisher wenig betroffen ist. Auch die Ergebnisse der US-Unternehmen (bislang haben 43% berichtet) zeigen sich widerstandsfähig. Während also die Handelspartner der USA eine schnelle Lösung der Handelsstreitigkeiten anstreben dürften, könnten die USA (unter Umständen fälschlicherweise) über einen Zustand eines länger andauernden Ungleichgewichts möglicherweise weit weniger besorgt sein.

 

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In EMEA und APAC gilt diese Publikation als Marketing Material, in den USA nicht. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, welche sich jederzeit ändern oder als falsch  heraus stellen können. Die Informationen können sich jederzeit verändern und sollten nicht als Empfehlung angesehen werden. Es kann keine Gewähr übernommen werden, dass Anlageziele erreicht oder Ertragserwartungen erfüllt werden. CIO Office, Deutsche Bank Wealth Management, Deutsche Bank AG - Email: WM.CIO-Office@db.com