Eine Reihe von Notenbanksitzungen verlief in dieser Woche im Wesentlichen wie erwartet. Die Bank of England und die Reserve Bank of India hoben ihre Leitzinsen an, die Fed deutete weitere Zinsschritte an und die Bank of Japan hielt weitgehend am Status quo fest. Die Quellen der Sorge beginnen sich aber zu verlagern.

 

1. RBI und BoE bezogen sich bei den Zinsschritten explizit auf Sorgen um die Inflation, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Die Reserve Bank of India (RBI) erhöhte am Mittwoche ihre Zinsen, u.a. wegen Inflationssorgen, die durch die Erhöhung der Mindestpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und die steigenden Öl-Importkosten noch geschürt wurden. Auch die Rupie-Abwertung war ein Problem. Es handelt sich um die zweite Zinserhöhung der RBI in zwei Monaten. Die Bank of England (BoE) folgte am Donnerstag und erhöhte wie erwartet den Basiszinssatz von 0,5% auf 0,75%. Das umgehend nach der Sitzung publizierte Protokoll ihres geldpolitischen Ausschusses gab mehrere Gründe an: die beschränkte Kapazitätsreserve der Ökonomie (wegen geringer Produktivität und niedriger Nettomigration) bedeutet, dass jeder Nachfrageanstieg sich auf die Inflation auswirken würde. In anderen Worten lag der Schwerpunkt auf derzeitigen ökonomischen Trends und nicht auf möglicher künftiger Unruhen aufgrund des Brexit oder internationaler Handelsstreitigkeiten.

 

2. Die Fed bereitete den Boden für eine weitere Straffung der Geldpolitik vor. Das Bekenntnis der BoJ klang nicht vollständig überzeugend.

Beim Fed-Entscheid am Mittwoch lag der Fokus auf einem anderen Thema. Die Fed wollte darüber informieren, dass mit weiterer geldpolitischer Straffung zu rechnen ist, da die Wirtschaftslage gut bleibt: Im Statement nach der Sitzung war zur Beschreibung von Wirtschaftsaktivität, Haushaltsausgaben, Investitionen und Arbeitsmarkt das Wort „stark“ zu lesen. Unmittelbare Inflationssorgen standen nicht im Vordergrund, obwohl daran erinnert wurde, dass die Kerninflation nach wie vor nahe am Zielwert von 2% liegt. Die Bank of Japan wollte den Märkten dagegen die Sicherheit geben, dass sie ihre extrem akkommodierende Geldpolitik fortsetzt. Hiermit war sie teilweise erfolgreich. Am Dienstag kündigte sie eine anhaltende starke geldpolitische Lockerung an und sagte, dass die Zinsen noch für längere Zeit niedrig bleiben würden. Einige geringfügige Veränderungen ihrer Politik (z.B. eine größerer Spanne um Null für Renditen 10-j. Staatsanleihen) reichten aus, um die Märkte zu beunruhigen und die Renditen 10-j. japanischer Staatsanleihen verzeichneten den größten Anstieg seit zwei Jahren.

 

3. Die Inflation ist also wieder auf dem Radar so einiger Notenbanken. Es gilt sich auf Veränderungen im geldpolitischen Umfeld einzustellen.

Was bedeutet das alles? Erstens konzentrieren sich viele Notenbanken fast zehn Jahre nach Ausbruch der internationalen Finanzkrise nicht ausschließlich auf die wirtschaftliche Wiederbelebung. Zu den Themen, die ihnen wichtig sind, zählt auch der zukünftige Inflationsanstieg, der durch Zollerhöhungen gefördert werden könnte. Jüngste Entwicklungen in China erinnern daran, wie schnell sich komplexe politische Aspekte in einem unsicheren Umfeld zuspitzen können. Zudem gilt es, sich auf ein von Veränderungen geprägtes geldpolitisches Umfeld einzustellen und nicht davon auszugehen (wie das bei der Ankündigung der BoJ der Fall war), dass das „Händchenhalten“ der Notenbanken ewig dauern wird. Die Zeiten ändern sich.

 

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