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Die technologische Innovation hat ein beispielloses Tempo erreicht. Die Herausforderung für heutige Anleger besteht darin, die weitreichende Bedeutung dieser Entwicklung zu erkennen und darauf zu reagieren.

Veröffentlicht: 31 Oct 2017

Technologie und Wirtschaftswachstum

 

Trotz des scheinbar schnellen technologischen Wandels lagen die Wachstumsraten der meisten Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren auf historisch niedrigen Niveaus. Könnte es sein, dass sich der Fortschritt negativ auf das Wachstum auswirkt? Immerhin fürchtet man sich vor einer längeren Stagnation, bei der ausbleibendes Wachstum zum Normalfall wird.

 

Auf einer Mikroebene lautet die Antwort auf diese Frage fast mit Sicherheit Ja. Das Tempo der technologischen Veränderungen scheint derzeit zuzunehmen. Viele neu aufkommende Technologien werden bedeutende Veränderungen auslösen, was die Arbeitsweise und Effizienz in bestehenden Branchen und Dienstleistungen betrifft. Zusammen mit dem stetigen Anschwellen der Datenvolumen sind dadurch alle Voraussetzungen für schnelleres Produktivitätswachstum in bestimmten Sektoren gegeben.  

 

Auf einer Makroebene werden die Auswirkungen von technologischen Veränderungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum insgesamt positiv sein. Kurz- und mittelfristig aber wird es neben Vorteilen auch Nachteile geben. Die Job-Verluste in bestimmten Bereichen könnten massiv ausfallen und für ganze Volkswirtschaften einen Strukturbruch ihrer relativen Wettbewerbsposition, ihrer Sozialausgaben und ihrer öffentlichen Finanzen bedeuten. 

 

Konnektivität und Integration 


Das Wachstum des Internet der Dinge (Internet of Things – IoT) hat Konnektivität neu definiert. Haushalte, Uhren und Autos werden immer intelligenter und ermöglichen es Verbrauchern, auf vielerlei Weise vernetzt zu bleiben.

 

Laut der Marktforschungsfirma Gartner nimmt die Zahl der vernetzten Geräte im Jahr 2017 weltweit um 31 % auf rund 8,4 Milliarden zu. Außerdem schätzt Gartner, dass pro Sekunde etwa 127 neue Geräte online gehen; ihre Gesamtzahl soll bis 2020 auf rund 20,4 Milliarden steigen. Zugleich hat sich das Tempo bei der Verbreitung neuer Technologien erhöht. So prognostiziert McKinsey, dass bis 2030 etwa 15 % aller neu verkauften Autos autonom fahren werden.

 

Investitionen und Forschung für technologische Innovationen werden vor allem von den größten Technologieunternehmen vorangetrieben, und diese haben begonnen, neue Technologien in ihren Betrieb zu integrieren. DeepMind von Google zum Beispiel, ein System für künstliche Intelligenz, hat „Deep Learning“ auf eine Reihe von BBC-Sendungen angewendet und auf diese Weise ein Lippenlesesystem entwickelt, das genauer war als ein professioneller Lippenleser. 1 Darüber hinaus wurde DeepMind eingesetzt, um den Energieverbrauch in Datenzentren zu optimieren. Indem Google den „intelligenten“ Computer die Energienutzung überwachen und steuern ließ, konnte der Energiebedarf zur Kühlung der Computer um etwa 40 % reduziert werden. Amazon, ebenfalls ein führendes Unternehmen im Technologiebereich, hat in einem Pilotprojekt ein Lebensmittelgeschäft eröffnet, das Produkte im Einkaufswagen mittels Sensoren identifiziert, sodass Kunden sich nicht mehr an einer Kasse anstellen müssen.2 

Anders als bei früheren Durchbrüchen, bei denen sich das Wachstum weitgehend auf den Technologiesektor beschränkte, lösen die heutigen Innovationen bedeutende Veränderungen in allen Sektoren aus. Um Chancen zu identifizieren und Bereiche zu meiden, die negativ beeinflusst werden könnten, müssen Anleger das Veränderungspotenzial dieser Technologien bewerten.

 

Ausblick und vier Schlüsselfaktoren

 

Die Hürden für eine weite Verbreitung sind erheblich, doch mehrere Branchentrends lassen erwarten, dass die weitere Integration weniger schwierig wird: 

 

Niedrigere Kosten

Die Kosten für die Entwicklung und Nutzung dieser Technologien sind derzeit noch sehr hoch. Mit zunehmender Verbreitung werden sie jedoch gedrückt. So sind die Preise für Sensor-Laser für selbstfahrende Autos in den vergangenen acht Jahren um 1.000 % gesunken und sollen in den nächsten Jahren um weitere 6.500 % fallen.3 


Mehr Daten

Technologien für künstliche Intelligenz (KI) beruhen auf Erfahrungen (also Daten), die im Laufe der Zeit gesammelt werden; solange nicht genügend Daten vorhanden sind, ist der Nutzen dieser Technologien sehr begrenzt. Bei zunehmender Verbreitung wird auch das verfügbare Datenvolumen wachsen, was Potenzial für zusätzliche Anwendungen schafft. 


Demografie

Globale Bevölkerungsalterung, Millennials und andere demografische Verschiebungen dürften Nachfrage nach innovativen Technologien entstehen lassen. Unternehmen wie CareSkore, IBM und Zephyr Health (beispielhafte Nennung von Unternehmen, keine Empfehlung) analysieren Gesundheitsdatenbanken, um neue Erkenntnisse über medizinische Forschung und Betreuung zu gewinnen.4 Ärzte haben bereits damit begonnen, roboterunterstützte Operationen vorzunehmen5, und manche Medizingeräte übertragen inzwischen automatisch Vitaldaten von Patienten.


Höhere Investitionen

Das weltweite wirtschaftliche Potenzial dieser Technologien hat die Investitionen zunehmen lassen. Die Finanzierung für KI-Startups ist im ersten Quartal 2017 sprunghaft auf 1,74 Milliarden US-Dollar gestiegen, das entspricht einer Zunahme um 85 % gegenüber dem Vorjahr.6 McKinsey & Company schätzt, dass die weltweiten Ausgaben für IoT-Technologie bis 2025 auf 4-11 Billionen US-Dollar steigen werden.

 

Risiken

 

Eine globale Spitze bei der ArbeitslosigkeitKI und Automation mit Robotern haben das Potenzial, viele der niedrig bezahlten Jobs auf der Welt zu ersetzen. In einer aktuellen Studie schätzt McKinsey & Company, dass 50 % aller Aktivitäten automatisiert werden könnten; dies entspricht einem weltweiten Lohnvolumen von rund 15 Billionen Dollar.


Negativer Strukturbruch für ganze Volkswirtschaften
– Verbreitete Automation zum Beispiel könnte dazu führen, dass von Produktionsarbeitsplätzen abhängige Länder ihren relativen Vorteil (d.h. niedrige Löhne) verlieren, was auch die Nachfrage nach Logistik-Containern und anderen Exportprodukten verringern dürfte.


Unternehmen riskieren Irrelevanz
– Wenn sie sich nicht an technologische Veränderungen anpassen, könnten Unternehmen und potenziell ganze Teilbranchen ihre Relevanz verlieren. So hat der CEO von Blackberry (beispielhafte Nennung, keine Empfehlung) Investitionen in Smartphone-Apps verzögert, weil er sie für eine „Modeerscheinung“ hielt.7 Als Folge davon wurde Blackberry abgehängt und ist heute kein bedeutender Akteur in der Smartphone-Branche mehr (der Marktanteil liegt bei 0,04 %).8 


Trotz der potenziellen Risiken ist es Volkswirtschaften in der Vergangenheit gut gelungen, sich an disruptive Technologien anzupassen. Tatsächlich entstand jeder dritte Arbeitsplatz, der in den USA in den vergangenen 25 Jahren neu geschaffen wurde, in Bereichen, die vorher nicht existierten.9 Laut einer Studie von McKinsey & Company aus dem Jahr 2011 hat das Internet in den 15 Jahren zuvor rund 500.000 Jobs in Frankreich „zerstört“, gleichzeitig aber rund 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen lassen.9 


Unserer Ansicht nach sollten Regierungen aktuelle und zukünftige Arbeitnehmer aktiv dazu anhalten, die Fähigkeiten zu erwerben, die in der Wirtschaft von morgen gebraucht werden. Wenn Volkswirtschaften immer technologieabhängiger werden, dürften Datenwissenschaftler, Programmierer und andere technische Fachkräfte eine deutlich steigende Nachfrage verzeichnen. 

 

Bedeutung für die Geldanlage

 

Bei dem steigendem Tempo der Innovationen wird die Bedeutung von aktiver Geldanlage zunehmen, denn Manager müssen in der Lage sein, die potenziellen „Gewinner“ von den „Verlierern“ des technologischen Wandels rasch zu unterscheiden.

 

Nur weil man in einem bestimmten Bereich vertreten ist, bedeutet das nicht automatisch, dass man leistungsstärker ist. Die Marktteilnehmer werden die „Anführer“ und „Verfolger“ bei diesen neuen Trends ebenso identifizieren müssen wie die potenziellen Risiken, die diese Technologien für Volkswirtschaften in aller Welt bergen. 

 

Informationstechnologie ist bereits seit einiger Zeit der von uns bevorzugte Sektor, und obwohl er in diesem Jahr die höchste Performance verzeichnet hat, sehen wir keinen Anlass, unsere Einschätzung zu ändern. Branchenführende Unternehmen, die in die Entwicklung neuer und bahnbrechender Technologien investieren, dürften in der Lage sein, Wachstum und Innovation in ihrem Sektor voranzutreiben – zumal sie Umsätze über viele Kanäle erzielen. 

 

Darüber hinaus ist der Sektor auch aus einer relativen Bewertungssicht weiterhin attraktiv; das Verhältnis seines Kurs/Gewinn-Verhältnisses (auf Basis erwarteter Gewinne) zu dem des S&P 500 liegt in der Nähe seines historischen Durchschnitts.

Bearbeiteter Auszug aus unserem CIO Insights Spezial: Lesen Sie schon heute über die Themen von morgen. Redaktionsschluss: September 2017.


1. https://www.theverge.com/2016/11/24/13740798/google-deepmind-ai-lip-reading-tv 

2. https://www.amazon.com/b?node=16008589011 

3. http://www.mckinsey.com/industries/semiconductors/our-insights/whats-new-with-the-internet-of-things 

4. http://medicalfuturist.com/top-artificial-intelligence-companies-in-healthcare/ 

5. http://www.mayoclinic.org/tests-procedures/robotic-surgery/basics/definition/prc-20013988 

6. http://www.investors.com/research/industry-snapshot/artificial-intelligence-investing-it-doesnt-take-a-rocket-scientist/ 

7. http://www.infoworld.com/article/2624987/android/can-blackberry-survive-the-perfect-storm-of-iphone--android--and-now-ipad-.html 

8. https://www.statista.com/statistics/263439/global-market-share-held-by-rim-smartphones/ 

9. http://www.mckinsey.com/global-themes/employment-and-growth/technology-jobs-and-the-future-of-work