Die Welt auf den 2. Blick

Das aktuelle Investmentumfeld ist gekennzeichnet durch bessere  globale Wirtschaftsindikatoren und robuste Finanzmärkte. Eine Bestandsaufnahme bei der zwischen realen und illusorischen Mustern unterschieden werden muss.

Veröffentlicht: 21 Feb 2018

Die Unterscheidung mag kurzfristig keine Rolle spielen: wenn die Märkte ein Muster erkennen wollen, dann werden sie danach auch handeln. Sie spielt aber sehr wohl eine Rolle, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wir versuchen daher zu unterscheiden, zwischen dem was aktuell gut erscheint und dem was auch in Zukunft gut erscheinen sollte.


Volkswirtschaft: immer noch in einer zyklischen Erholungsphase


Die Regierungen waren bislang kaum in der Lage strukturelle Reformen einzuleiten und die Erholung beruht weiter auf einem schrittweisen Prozess zyklischer Erholung.

Die Reformpläne von US-Präsident Trump kamen in Schwierigkeiten, aber wir gehen weiter davon aus, dass das US-Wachstum nächstes Jahr bei 2,3% liegen sollte. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone dürfte ebenfalls über Potenzial bleiben (bei 1,8% 2017 und 1,6% 2018). Das Wachstum in Japan ist in den letzten Quartalen ermutigend, wir erwarten aber nicht, dass es in den nächsten zwei Jahren deutlich über die Marke von 1% steigen sollte.

 

Die chinesische Wirtschaft scheint sich stabilisiert zu haben, aber das Wachstum der Konsumsausgaben dürfte sich jetzt leicht abschwächen. Die Wirtschaftsdaten aus den Schwellenländern zeigen aber, dass sie sich zumeist in gutem Zustand befinden und eine leichte Verlangsamung des Wachstums in China kompensieren können.

 

Prognosen BIP-Wachstum Eurozone:

    1.8%
– 2017
    1.6% – 2018

Prognosen BIP-Wachstum China:

    6.5% – 2017
    6.3% – 2018

Prognosen BIP-Wachstum USA:

    2.1% – 2017
    2.3% – 2018

 

Multi asset: Genießen, solange es geht


Unser Ausblick auf Sicht von 12 Monaten ist im Allgemeinen konstruktiv und die Anleger bleiben von einem „Goldilocks“ Szenario verwöhnt.


Das Wirtschaftswachstum ist derzeit weder zu schnell noch zu langsam, die Inflation ist aber weiter niedrig und die Zentralbanken sind weiter sehr Kapitalmarktfreundlich. Politische Überraschungen sind aber ein Anlass für eine vorsichtige Haltung, sich selbst verstärkende Marktdynamiken sind ein möglicher anderer.
 
Anlagegelegenheiten bei Unternehmensanleihen in Schwellenländern
Trotz vieler Anlagemöglichkeiten bei Hochzinsanleihen und Investment Grade Unternehmensanleihen, spricht die Verringerung der Renditeabstände dafür, dass es auch interessantere Anlagemöglichkeiten in Anleihen von Schwellenländern geben könnte. Bei Rohstoffen bleiben wir aber vorsichtig und prognostizieren bis Ende Juni 2018 einen (WTI) Ölpreis von 50 US-Dollar pro Fass, sowie keinen nachhaltigen Anstieg des Goldpreises. 

Änderung der Währungsdynamiken 

Im weiteren Jahresverlauf sind erneute Dollar-Schwächephasen möglich, wobei der Euro vermutlich stärker werden dürfte, auch wenn wir im nächsten Jahr keinen weiteren scharfen und nachhaltigen Dollar-Verfall erwarten. In Multi-Asset-Strategien sollte man daher künftig stärker auf eine geänderte Dynamik an den Währungsmärkten achten.


Aktien: Anhaltender Höhenflug


Mit dem erwarteten Anstieg der Unternehmensgewinne haben wir unsere 12 Monatsprognosen für die meisten Aktienmarktindizes nach oben revidiert.


Diese Erwartungen scheinen aber bereits weitgehend eskomptiert. Dies zeigt sich in den hohen Bewertungsniveaus, insbesondere in den USA, sowie an der niedrigen Volatilität. Kurzfristige Preisrückschläge können als Kaufgelegenheiten angesehen werden.

Europäische Aktien im Aufwärtstrend

Wir sind derzeit aufgrund von weiteren Anzeichen für Konjunkturverbesserungen, starkes Gewinnwachstum und Kapitalzuflüssen eher positiv für Europa gestimmt.

Japanische Unternehmen

Diese scheinen im Allgemeinen in guter Verfassung. Die Inflation sollte vergleichsweise niedrig bleiben und die Bank von Japan noch einige Zeit in ihrem Lockerungsmodus halten. Eine Schlüsselrolle wird dabei aber weiter dem japanischen Yen zukommen.

Der Reiz der Schwellenländermärkte

Wir beobachten positive Gewinnrevisionen und eine Kurserholung der Aktien. Die Bewertungen der Aktien der Schwellenländer (Emerging Markets, EM) scheinen im Vergleich zu den Bewertungen an den globalen Märkten attraktiv und trotz zunehmenden Interesses scheinen international ausgerichtete Investoren in dieser Region noch unterinvestiert.

Anleihemärkte:  die USA marschieren beim Zinsanstieg voran


Nach drei Leitzinsanhebungen hat die Fed bereits einen gewissen Weg zur Normalisierung der Geldpolitik zurückgelegt. 


Nach Jahren der quantitativen Lockerung dürfte die US-Notenbank (Fed) möglicherweise noch in diesem Jahr mit der Verringerung der Wiederanlage von fälligen Anleihen beginnen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihren Leitzins weiter negative halten. Wahrscheinlicher scheint, dass sie im Zeitablauf vorsichtig zu einem abnehmenden Kaufvolumen bei den monatlichen Wertpapierkäufen übergeht.


Der Ansatz der Bank von Japan (BoJ) zur Kontrolle der Zinsstrukturkurve scheint vergleichsweise erfolgreich zu sein und könnte Spielraum schaffen für eine leichte, inoffizielle Verringerung der Wertpapierkäufe.  Man sollte daher nicht davon ausgehen, dass die gegenwärtige Politik unendlich fortgeführt wird. 


Die Bank von England (BoE) muss mit einer schwierigen Gemengelage von einem schwächeren Pfund, das die Inflation nach oben treibt und einer Verlangsamung des Potenzialwachstums fertig werden. Wir denken, dass die Wachstumsbefürchtungen die Oberhand behalten und die Leitzinsen auf den aktuellen Niveaus unverändert gelassen werden.


Investmentgrade Anleihen und Hochzinsanleihen
Die Unternehmensanleihemärkte dürften sich auf unterschiedliche Weise an die divergierenden Zentralbankpolitiken anpassen. Im Allgemeinen bleiben wir für die globalen Unternehmensanleihemärkte positive gestimmt, da wir davon ausgehen, dass die fundamentalen Bedingungen akzeptabel bleiben.

 

Technische Faktoren dürften Europäische Investmentgrade Anleihen stützen, das technische Umfeld in USA scheint aber weniger konsistent und die Märkte dort risikosensitiver. Wir bleiben vorsichtig konstruktiv für die Hochzinsmärkte in USA und Europa. Bei Europäischen Hochzinsanleihen gab es in diesem Jahre in bedeutendem Umfang Neuemissionen, aber das Marktvolumen nimmt ab und sollte eine weitere Verringerung der Renditeabstände zulassen.

Die Schwellenländermärkte zeigen sich widerstandsfähig
Viele Emittenten von Investmentgrade Anleihen in Schwellenländern profitieren von der Verbesserung des binnenwirtschaftlichen Ausblicks und günstigen Verschuldungsindikatoren, und einige Emittenten von hochverzinslichen Anleihen profitieren von stabilen Rohstoffpreisen. Vieldiskutierte “Risikofaktoren” (z.B. steigende Zinsen in USA und Verlangsamung des Wachstums in China) müssen sich erst noch bemerkbar machen, auch wenn geopolitische Ereignisse weiter einen wichtigen Risikofaktor darstellen. 

Der Yen als Zufluchtswährung
Im weiteren Jahresverlauf sind weitere US-Dollar-Schwächephasen möglich. Aber wir denken, dass das US-Wirtschaftswachstum und die Divergenz der Geldpolitiken dem US-Dollar im Jahr 2018 zu erneuter Stärke verhelfen können. Auf Sicht von 12 Monaten gehen wir von einer leichten Abschwächung des Yen zum US-Dollar aus. Dabei sind aber vorübergehende Stärkephasen des Yen möglich, wenn die Währung zu Absicherungsgeschäften vor Marktvolatilitäten genutzt wird.


Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, welche sich als falsch heraus stellen können. Weitere Informationen sind den Wichtigen Hinweisen und den Risikohinweisen zu entnehmen.