Fremdwährungen betreffen uns alle

Investoren unterschätzen oft das Ausmaß ihres Devisenexposures. Vor dem Hintergrund erhöhter politischer Risiken und neuer Technologien ist hier ein Umdenken erforderlich.

FX US dollar bill
Veröffentlicht: 21 Feb 2018

Erhöhtes Wechselkursrisiko: die neue Normalität?

 

Laut dem CBOE Volatility Index (VIX) erreichte die Schwankungsbreite auf dem Aktienmarkt im Juli dieses Jahres seit über zwei Jahrzehnten einen neuen Tiefststand. Doch während die Aktienmärkte in quasi zenartiger Ruhe verharren, steigt das politische Risiko sprunghaft an – und trifft Anleger vor allem über Devisenmärkte.

 

Der Schock über die Entscheidung der Briten zum EU-Austritt im vergangenen Jahr führte zum größten Absturz einer der vier wichtigsten Weltwährungen seit Einführung frei schwankender Wechselkurse in den 1970er Jahren. In diesem Juni geriet das Pfund nach einem weiteren unerwarteten Ausgang bei den britischen Parlamentswahlen erneut unter Druck.

 

In den USA fiel der Mexikanische Peso gegenüber dem US-Dollar durch den überraschenden Sieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen auf Rekordtiefststände, und auch andere Emerging Markets Währungen stürzten ab. In jüngster Zeit gab es weitere Ereignisse, die das Potenzial hatten, Devisenmärkte unter Druck zu bringen: Der Sieg Emmanuel Macrons über die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen bei den französischen Präsidentschaftswahlen hat den Euro möglicherweise noch einmal gerettet.

 

Neuer Status quo?
 

Manche sind der Ansicht, dass eine unvorhersehbare Politik zum neuen Status quo geworden sei, teilweise deshalb, weil die sozialen Medien den politischen Diskurs fragmentieren und ideologischen Tribalismus fördern – was sich letztlich auch auf das Wechselkursrisiko niederschlägt.

 

„Jeder unterliegt einem Wechselkursrisiko, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist“, sagt Martin Hirlemann, Leiter Foreign Exchange EMEA beim Deutsche Bank Wealth Management. Dieses Risiko nimmt parallel zur Begeisterung der Anleger für internationale Portfolios zu. Der „Home Bias“ unter US-Anlegern etwa ging zwischen 2004 und 2014 um zehn Prozentpunkte zurück.

 

Selbst sehr Vermögende mit einer Tendenz zu einem„internationalen Leben“ neigen dazu, ihre Wechselkursrisiken zu unterschätzen. „Viele unserer vermögenden Kunden sind nicht nur durch ihre globalen Investments, sondern auch durch Firmenanteile und Immobilienportfolios komplexen Währungsrisiken ausgesetzt“, erklärt Nick Stone, Global Head of Capital Markets beim Deutsche Bank Wealth Management. „Diese sind häufig enorm hoch, lassen sich jedoch nur schwer quantifizieren.“

 

Insbesondere die Bemessung von Wechselkursrisiken in Verbindung mit Unternehmen ist schwierig. In einer Deloitte-Umfrage von 2016 gaben 60 % der weltweit befragten Unternehmen an, ihr Währungsrisiko unter anderem „mangels eines Überblicks über Devisenrisiken und zuverlässiger Prognosen“ nur schwer quantifizieren zu können.

 

Angebote vergleichen


Selbst für diejenigen, die ihr Währungsrisiko einschätzen können, ist ein effizientes Hedging häufig nicht einfach. Der Devisenmarkt ist mit einem weltweiten Tagesumsatz von etwa 5 Billionen US-Dollar der bei weitem größte Finanzmarkt der Welt. Aufgrund seines dezentralen Charakters müssen Teilnehmer jedoch Angebote vergleichen, um eine wettbewerbsfähige Kursstellung zu erhalten.

 

„Der Handel auf den Devisenmärkten wird von einer vergleichsweise geringen Anzahl von Finanzinstitutionen bestimmt“, erklärt Stone. „Der Preis, für den diese bereit sind zu handeln, hängt nicht nur von den makroökonomischen Faktoren, sondern auch von den Positionen ab, die sie infolge ihrer Geschäftsaktivitäten besetzen. Das ist der Grund, warum die Preise von Institution zu Institution stark variieren können.“ Das Deutsche Bank Wealth Management bietet seinen Kunden einen FX-Service mit einer „offenen Architektur“ an und bezieht für sie Kurse von 15 verschiedenen Market-Makern. 


Verstecken ist keine Lösung


Die Navigation auf den Devisenmärkten ist zweifelsohne komplexer geworden, da sie einem ständigen Wandel unterliegen: Zum einen wird durch den Einsatz neuer Technologien – wie z. B. Peer-to-Peer-Plattformen – die Art und Weise, wie ein Teil der Marktteilnehmer handelt, transformiert. Zum anderen sehen viele Market-Maker-Banken im Zuge der aufsichtsrechtlichen Reformen davon ab, allzu große Devisenrisiken zu halten.

 

Laut Hirlemann gibt es jedoch keinen Grund, sich davon abschrecken zu lassen. „Da Wechselkursrisiken ohnehin allgegenwärtig sind, raten wir Kunden zu einem aktiven Ansatz – insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Marktschocks“, sagt er. „Unabhängig davon, ob man sich gegen Währungsrisiken absichert, Transaktionen tätigt oder Devisen als eine Quelle potenzieller Anlagerenditen nutzt, sehen wir Forex als Chance an – und nicht als Problem, vor dem man sich verstecken müsste.“

 

Mit einer der weltweit größten FX-Plattformen steht die Deutsche Bank Privatkunden in allen Aspekten des Währungsmanagements einschließlich von Hedging, Handel und Anlage zur Seite. Wir laden Sie ein, sich zu einem Gespräch über Ihre individuellen Anforderungen mit Ihrem Kundenberater von der Deutschen Bank in Verbindung zu setzen.