Am Welthandel teilhaben

Wie globaler Handel funktioniert 

Die Wirtschaftsgeschichte und die volkswirtschaftliche Theorie bieten unzählige Beispiele die zeigen, dass staatliche Intervention und Protektionismus langfristig kaum eine Chance haben, nachhaltige Vorteile zu bieten. In der Vergangenheit haben sie eher dem vorübergehenden Schutz bestimmter Interessen als dem Gemeinwohl gedient.

 

Stark regulierte, abgeschottete Wirtschaften sind historisch langfristig nicht erfolgreich gewesen. Mehr oder weniger Wohlstand für mehr oder weniger Menschen geht als Faustregel mit mehr oder weniger Handelsfreiheit einher. Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sowie Menschen und Märkte benötigen klare Rahmenbedingungen und die Freiheit, Wohlstand zu erreichen. Die Uhrzeiger anzuhalten ermöglicht keinen Zeitgewinn, Mauern zu bauen schafft nicht mehr Platz, Handelsbeschränkungen schaffen keinen Wohlstand. Einschränkungen fördern die Umverteilung existierender Ressourcen statt der Erzeugung neuer Ressourcen.

 

Das bereits zu beobachtende Reaktionsmuster der Finanzmärkte könnte sich fortsetzen. Anleger könnten Kapital von Anlageklassen die unter den erwarteten Maßnahmen leiden in solche transferieren, die davon profitieren: von anderen Währungen in US-Dollar, von Aktien exportorientierter Unternhmen in Europa und in Asien in US-Aktien – nur um zwei Beispiele zu nennen. Aber sobald der US-Dollar als Folge politischer Interventionen zu stark zu werden droht, könnten Politiker denken, dass neue – bis dato verbale – Interventionen notwendig sind. Kein wirklich erfolgreicher Beginn einer vermeintlich neuen Wirtschaftsordnung. ‘Das erste Mal sind wir frei, das zweite Mal sind wir Knechte’ und ‘Die Geister die ich rief, werd’ ich nicht mehr los’ schrieb Goethe vor bereits 200 Jahren.

 

Was die langfristigen Wirkungen betrifft, kommen wir auf zwei verbundene Beobachtungen zurück. Erstens, dass sich die Politik in keiner größeren Industrienation von der Realität der Globalisierung zurückziehen kann. Zweitens, dass offene Märkte mittel- und langfristig sich als die wirtschaftlich bessere

Antwort herausstellen. Offene Märkte verstärken den Wettbewerb, fördern die Innovationskraft, stärken die Kapitalzufuhr, verbessern die Investitionsmöglichkeiten – auch für einheimische Investoren – und erhöhen langfristig das Wachtumspotenzial eines Landes. Dieses Potenzial wird allerdings oft von restriktiven lokalen politischen Massnahmen begrenzt, in erster Linie um kurzfristige Lösungen gegenwärtiger Probleme zu finden, ohne die Gesamtwirkung zu beachten. In Wirklichkeit ist ökonomischer Mehrwert nicht durch die Globalisierung, sondern durch Interventionen gefährdet, die den Interessen Einzelner und nicht der Gesamtbevölkerung dienen. 

 

Deshalb ist der Ersatz von Globalisierung und freiem Handel durch den Staat nicht das, was benötigt ist. Dieses fundamentale Prinzip bleibt uneingeschränkt gültig, selbst heutzutage. Wesentlich ist die Anerkennung dass Globalisierung,

mit ihrer internationalen Arbeitsteilung und der damit einhergehenden Spezialisierung, der Differenzierung und dem intensiveren Wettbewerb ein starker Impuls des Writschaftswachstums und des Wohlstands ist. Man sollte

marktwirtschaftlichen Anreizen Vertrauen schenken, und genau aus diesem Grund ist es wesentlich, sich dem schnellen Wandel anzupassen statt zu versuchen, ihn zu ignorieren.

Im Fazit kommen wir auf den Punkt zurück, den wir anfangs erwähnt haben. Seit Adam Smith haben Ökonomen argumentiert, dass unter allen bekannten und möglichen Wirtschaftsordnungen die Marktwirtschaft allen anderen was das wirtschaftliche Potenzial betrifft überlegen ist. Obwohl weder Adam Smith noch die Ökonomen nach ihm dies nicht exakt so ausgedrückt haben, nahmen sie zur Kenntnis, dass die Marktwirtschaft diejenige Wirtschaftsordnung ist, die allen Marktteilnehmern zugute kommt, diejenige die frei und gleichgesinnt ist und eine Würdigung als eine gerechte Marktordnung verdient.

 

Dies erfordert Mut und Entscheidungsfreude seitens der Politik und des Gewerbes, sowie auch die Bereitschaft zum Wandel seitens der Bevölkerung. Die Menschen sind in jeder Hinsicht bereit für Veränderungen, aber sie wollen wissen, dass sich jegliche kurzfristige Entbehrung lohnen wird und dass die Dinge sich letztendlich verbessern werden. Langfristige wirtschaftliche Gewinne können sehr abstrakt erscheinen, während die Gefahr kurzfristiger negativer Veränderungen viel reeller erscheinen kann. Ausserdem kann öffentliche Skepsis und Ungewissheit durch die Tatsache verstärkt werden, dass notwendige Reformen oft eingeleitet, aber nur halbherzig implementiert werden aufgrund der Sorgen um die Akzeptanz seitens der Bevölkerung und der politischen Machbarkeit. Unsere ist eine Zeit die eine klare Kommunkation für die Notwendigkeit eines solides Bekenntnisses zum freien Handel erfordert.

 

Markus C. Müller
Head CIO Office

Quelle: CIO Insights Reflektionen – Wie globaler Handel funktioniert, April 2017