Der Brexit startet

Prüfstein für Politik und Kapitalmärkte

Im Laufe der nächsten zwei Jahre und darüber hinaus müssen Investoren zahlreiche Entscheidungen treffen, obwohl die Lage wohl ungewiss bleiben wird. Um die laufende Situation besser verstehen zu können, erachten wir es für sinnvoll, zwischen drei Phasen zu unterscheiden:

 

1) Orientierung. In der ersten Phase (1.-6. Monat) wird sich Großbritannien darin klarer werden, welche Richtung es in Bezug auf den Brexit einschlagen will. Die Märkte werden die entsprechenden Auswirkungen einschätzen. An den Kapitalmärkten dürfte das britische Pfund weiterhin als Hauptreaktionskanal fungieren.

 

2) Verhandlung. In der zweiten Phase (6.-24. Monat) wird eine Reihe von potentiell komplexen Verhandlungen stattfinden. Bei diesen werden sich die Finanzmärkte und die britische Wirtschaft auf die Realität nach dem Brexit einstellen. In dieser Zeit kann es zu volatilen Phasen kommen, in denen Makro- und Marktindikatoren aus dem Takt geraten. Es wird aber sowohl positive als auch negative Tendenzen geben.

3) Anpassung. Dies ist die Phase (nach dem 24. Monat), die eintritt, nachdem die Konditionen des Austritts aus der EU vereinbart worden sind. Je nachdem, um welche Konditionen es sich handeln wird, ist ein anfänglich positiver Impuls für die Finanzmärkte denkbar, weil eine Quelle der Unsicherheit aus dem Weg geräumt sein wird. Doch dies könnte alsbald durch eine Analyse der längerfristigen Auswirkungen auf den Handel und die Wirtschaftsleistung des Landes getrübt werden, sobald sich die Realität der neuen Handelsbeziehungen offenbart. Des weiteren wird die Wettbewerbsfähigkeit Groβbritanniens und die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft an die neuen ökonomischen Rahmenbedingungen von allen Marktteilnehmern kritisch unter die Lupe genommen werden.

 

Es ist wichtig zu bedenken, dass Brexit nicht das einzige wichtige wirtschaftspolitische Ereignis darstellen wird. Die britische Konjunktur könnte ebenso stark oder sogar noch stärker von wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten und innerhalb der EU als von den Brexit-Verhandlungen beeinflusst werden. Nichtsdestotrotz halten wir es für relevant, die mögliche Sequenz der Preisbewegungen innerhalb der verschiedenen Anlageklassen zu analysieren und, in der Annahme dass Groβbritannien letztendlich die Europäische Union verlässt, zu erörtern, welche Faktoren die strategischen Investitionsmöglichkeiten bestimmen werden.

 

Stéphane Junod

CIO EMEA and Head of DPM EMEA 

Quelle: CIO Insights Special – Brexit, Prüfstein für Politik und Kapitalmärkte, März 2017