Ölpreise steigen, Angebotssorgen bleiben

IEA und OPEC haben ihre Prognosen für das globale Ölnachfragewachstum im Jahr 2018 angehoben, allerdings könnte die US-Produktion das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage immer noch untergraben.

Die Ölpreise haben ihren Anstieg diese Woche fortgesetzt und mit dem erneuten Erklimmen der Marke von 49 US-Dollar/Fass WTI* den höchsten Stand seit Anfang August erreicht.


Die in Paris ansässige IEA** hat ihre Prognose des globalen Nachfragewachstums für 2018 um 100.000 auf 1,6 Mio. Fass pro Tag erhöht und dies mit dem in den USA und Europa bereits stärkeren Nachfragewachstum begründet. Die IEA geht des Weiteren davon aus, dass die Rohöllagerbestände der Industrieländer bereits kurzfristig unter den aktuellen Stand fallen könnten.

Im Übrigen geht die IEA davon aus, dass sich die Förderdisziplin der OPEC***-Mitglieder erhöht hat und im August alle zehn Mitglieder die vereinbarten Fördermengen eingehalten haben. Allerdings sind Nigeria und Libyen von der Vereinbarung ausgenommen und es ist unklar, was passiert, wenn die aktuellen Förderrestriktionen im März 2018 auslaufen.


„Auch die OPEC selbst geht von einer höheren globalen Nachfrage aus und erwartet im Jahr 2018 einen Anstieg um 1,35 Mio. Fass pro Tag und damit 70.000 Fass pro Tag mehr als zuletzt angenommen.“

 

Dennoch könnte das Angebots-/Nachfrage-Bild revidiert werden, vor allem in den USA. Daten der US-Energiebehörde EIA**** weisen für die letzte Woche einen Anstieg der US-Rohöllagerbestände um 5,9 Mio. Barrel aus, teils aufgrund der Wiederaufnahme der Förderung nach Hurrikan Harvey.


Die US-Produktion stieg letzte Woche von 8,8 auf 9,4 Mio. Fass pro Tag. Die möglicherweise höhere US-Förderung und anhaltende Zweifel an der Zukunft des OPEC-Abkommens zur Förderbegrenzung (und die damit verbundene Vereinbarung mit einigen Nicht-OPEC-Mitgliedern) lassen uns vorsichtig bezüglich der weiteren Entwicklung des Rohölpreises bleiben. Wir erwarten Ende Juni 2018 einen Preis von 50 US-Dollar pro Fass WTI.


US-Ölproduktion im Jahresverlauf 2017

Quelle: Energy Information Administration (EIA), Deutsche Bank AG. Stand: 13. September 2017

Markus Müller
Global Head
CIO Office
Quelle: CIO Bulletin, 15. September 2017

* WTI: West Texas Intermediate
** IEA: International Energy Agency: Internationale Energieagentur
*** OPEC: Organisation of Petrol Exporting Countries: Organisation Erdöl exportierender Länder
**** EIA: US Energy Information Administration: US-Energiebehörde