USA führen Europa nach oben

Abnehmende politische Risiken in Europa haben zwar den Euro angetrieben aber nicht europäische Aktien, die ungeachtet niedrigerer Bewertungen hinter US-Aktien herhinken.

Den schlimmen und schockierenden Bildern von Hurrikan Irma zum Trotz, nahmen die Anzeichen, dass das Schlimmste ausgeblieben ist, im Wochenverlauf zu, was zur Stimmungsaufhellung an den Märkten beitrug.

 

Die verbesserte Stimmung machte den Weg für neue Rekordhochs an den US-Aktienmärten frei. Auch wenn sie in die gleichen Richtung gingen, blieben die Kursbewegungen am europäischen Aktienmarkt allerdings verhaltener, was vor allem in der anhaltenden Euro-Stärke begründet liegen dürfte.

 

Die Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar von 1,05 zu Beginn des Jahres auf aktuell fast 1,20 EUR/USD war ein wichtiger Faktor, der dazu führte, dass europäische Aktien – in lokaler Währung betrachtet – hinter anderen Märkten zurückblieben.

 

“Europäische Aktien sind trotz weiter solider fundamentaler Wirtschaftsdaten zurückgeblieben.”


Die Bewertungen in Europa scheinen ebenfalls deutlich moderater als an anderen Märkten. So ist zum Beispiel das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des S&P 500 weiter Richtung 3 angestiegen, während das KBV des EuroStoxx 50 mehr oder weniger seitwärts um das Niveau von 1,6 pendelt. Die Differenz der beiden KBV in den USA und Europa hat historische Hochs erreicht. 
 

Allerdings scheinen europäische Aktien ungeachtet interessanterer Bewertungsniveaus nach wie vor weitere Kurstreiber zu benötigen, um sich nennenswert nach oben zu bewegen. Weder abnehmende politische Risiken in Europa nach den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden im Frühjahr noch die erhöhten Reformaktivitäten in Frankreich haben bislang Nennenswertes bewirkt.

Die abnehmenden politischen Risiken haben zwar dazu beigetragen, den Euro zu stärken, da dies aber vergleichsweise schnell und ausgeprägt geschah, schürte es Ängste von Anlegern, dass die Unternehmensgewinne pro Aktie in Europa darunter leiden könnten.


Kurs-Buchwerte-Verhältnisse (KBV) in USA und der Eurozone im Vergleich

Quelle: Bloomberg Finance L P, Deutsche Bank AG. Stand: 13. September 2017.

Stéphane Junod
CIO EMEA
Quelle: CIO Bulletin, 15. September 2017